Sauna & Sexismus

Foto Bri Sauna

In dieser Woche haben wir im Südtiroler Landtag über die Verlängerung der Öffnungszeiten in der Damensauna debattiert. Ich hatte einen entsprechenden Antrag (auf den Wunsch von Bürgerinnen hin) eingebracht. Die Diskussion war grenzwertig – es ging um Frauen, um Körperlichkeit, um Nacktheit. Man unterstellte, dass ich Männer als Gaffer generalisieren wolle, man vermutete, dass Frauen sich grundsätzlich beglotzt fühlen, es hieß, dass man in der Sauna das Beschaue in Kauf nehmen müsse, und überhaupt, Frauen schauen ja auch etc. etc.

Mitten in der allgemeinen Sexismusdebatte in Europa hat Südtirol, unbewusst und unterschwellig, einen kleinen Sexismushype gelebt.

Denn das Thema landete auf diversen Titelseiten, stets versehen mit nackten oder halbnackten Frauen. Es fehlten nicht Fotomontagen von Landtagsabgeordneten in der Sauna. Die Kommentare und die Bemerkungen im Netz und aber auch in Bars und auf der Straße waren vernichtend.

Sie zeigten auf zweierlei Ebenen auf, wie tief die Verachtung gegenüber Frauen und Frauenthemen greift. Da lesen wir einmal die üblichen Bosheiten gegenüber Frauen, auch gegenüber der Einbringerin des Antrages: „Mit der will ja eh niemand in die Sauna“, „Die schaut ja eh niemand an“, „Foppa braucht keine Angst zu haben: hässliche Frauen werden in Ruhe gelassen“… etc.

Auf einer tieferen Ebene findet die Abwertung des Themas statt. Der Südtiroler Landtag, der sich in der Vergangenheit schon mit Themen befasst hat wie die Ablehnung der Sommerzeit für Südtirol oder neutrale T-Shirts für Südtiroler Sportler, ohne dass es größere Proteste gegeben hätte, wird als Institution ins Lächerliche gezogen, weil er über die Abendöffnung der Sauna für Frauen diskutiert hat. Und die Grünen, die haben wohl auch keine anderen Themen mehr, hieß es gleich mit (auch wenn wir in der selben Session Anträge über Transparenz der Landesregierung, Landebahn des Flughafens und Nachvollziehbarkeit der Fleischherkunft brachten und die Debatten über Europa- und Gemeindengesetz maßgeblich mitbestimmten).

Die allgemeine Empörung, so mag man vordergründig meinen, hat mit Frauen nichts zu tun. Man ärgerte sich über die „Überflüssigkeit“ des Themas. Das wird zwar schon von der mangelnden Entrüstung über andere Anträge wie die oben genannten widerlegt, aber wir können auch an einem Vergleich den Test machen:

Wie hätte die Südtiroler Öffentlichkeit reagiert, wenn der Vorschlag gewesen wäre, etwa die Turnhallen abends für Rugbytraining offen zu halten?

Ich nehme an, man hätte gesagt, naja, eben ein Nischenthema. Aber Sport ist ja wichtig und da braucht es entsprechende Räume.

Genau darum ging es in der Damensauna. Um Räume für Frauen, von denen einige, gerade wenn sie nackt sind, auch einmal gerne unter sich sind – und darum, diese Räume in den Abendstunden offen zu halten, da Frauen heutzutage tagsüber gleich wie Männer in der Arbeit sind.

Mein Kollege Hans Heiss sprach von einem Lehrstück, wie ein vernünftiges Thema sexistisch verbraten werden kann. Genauso ist es.

Allerdings fürchte ich, dass am Ende wieder wir Frauen die Lehren ziehen werden. Nämlich, dass es besser ist still zu sein und die Körperlichkeit und das Sprechen darüber in den privaten Raum zurück zu verbannen.

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#Me Too

grinsendetasseIch denke an die Gesichter.

An die Gesichter der Buben im Schulhof, als sie uns über die gängige Sexualterminologie aufklärten.

An das Gesicht des alten Herren, der in der Bar so lange gewartet hat, bis ich, damals ca. 12 Jahre alt, allein war und er versuchte mich zu küssen (mit Zunge).

An die Gesichter der Gäste, die schunkelnd Mösenlieder sangen, während wir das Essen servierten.

An die Gesichter in der Hütte, als die Schnaderhüpflen zu den nacketen Weibern gesungen wurden.

An das Gesicht des jungen Betrunkenen, den ich des Lokals verwies und er mich daran erinnerte, welches Geschlechtsteil ich habe.

An das Gesicht des Typen vor dem Mädchenheim, als er den Mantel aufmachte.

An den Chef, der uns zum Service rief („Hennen!“) und fragte, wer denn heute der Chefin „das Würstl bringen“ wolle.

An den Kollegen im Gemeinderat, als er den Witz vom Rasenmäher erzählte („Weißt du den Unterschied zwischen einer Frau im Minirock und einem Rasenmäher? Nein? Dann halt mal die Hand drunter!“)

An die Gesichter der Kollegen im Gemeinderat, die uns Rätinnen wahlweise als Jungfrauen (naiv) oder als Flittchen (unbeständig) bezeichneten.

An den Kollegen im Landtag, der sagte, heute habe die Opposition (da war nur ich) keine Eier in der Hose.

An die Kollegen im Regionalrat, wenn sie die anwesenden weiblichen Abgeordneten kommentieren.

An die Gesichter all jener, die mir und anderen Frauen schon das ganze Leben lang was nachschreien, dass wir schöne oder hässliche Beine, Pos oder Brüste haben.

An die Gesichter der Männer, die uns ihre Vermutungen darüber aussprechen, ob wir gut sind oder schlecht oder heiß oder frigide.

Ich sehe in diesen Gesichtern viele Unterschiedlichkeiten. Alle aber zeigen eines auf, nämlich garantierte Bewusstheit dessen, was sie gerade tun. Sie schmunzeln, grinsen, feixen, schauen gespannt auf die Reaktionen. Alle wissen, dass sie mich oder meine Geschlechtsgenossinnen irritieren, verstören, verletzen, beleidigen.

Die Hauptreaktion auf die Sexismusdebatte leugnet dies. Aussagen wie „Man wird jetzt keiner Frau mehr die Tür aufhalten dürfen“ verbinden die stets unfaire Paradoxisierung als Argumentationstaktik, mit dem Versuch, Männer von ihrer Verantwortung zu entbinden.

Dabei werden Männer regelrecht infantilisiert. Ihnen wird die banalste soziale Kommunikationskompetenz abgesprochen, nämlich zu verstehen, was die eigenen Aussagen beim Gegenüber bewirken. Das ist schlichtweg absurd. Schon die kleinen Buben im Kindergarten erkennen, wann sie Mädchen verletzen. Jeder Mann kennt den Unterschied zwischen Aussagen wie „Du bist eine geile Henne“ und „Du hast eine interessante Ausstrahlung“. Hierfür braucht es kein feministisches Sittengericht, Männer haben diese Unterscheidungskompetenz genauso intus wie Frauen. Die Bundeszentrale für politische Bildung zitiert eine Studie, die belegt, dass sich Männer und Frauen weitestgehend darüber einig sind, was in einer Interaktion als sexistisch, beleidigend oder entwürdigend empfunden wird. Ich glaube das auch. Alle Gesichter der Männer, die ich vorhin Revue passieren ließ, drücken dieses Bewusstsein darüber aus.

Dieser Aspekt ist von größter Bedeutung. Denn es heißt, dass Männer sich trotz dieses Bewusstseins für Sexismus entscheiden. Die Gründe und Zielsetzungen dieser Entscheidung sollten in der laufenden Debatte einen sehr viel wichtigeren Anteil haben als die hilflose Flucht in Bagatellisierung, paradoxe Verzerrung und Opferumkehrung, die wir derzeit erleben.

Sexistische Äußerungen sind Gesten einer gestörten Interaktion zwischen den Geschlechtern. Die Auseinandersetzung darüber, wie wir hier als Gesellschaft und als Männer und Frauen verändernd, verbessernd, ja vielleicht gar heilend einwirken können, verlangt uns viel ab. Es wird auch wehtun – und Zeit brauchen. Die #Me too-Kampagne katalysiert, beschleunigt, fordert heraus.

Dafür werden meine Tochter oder wenigstens meine soeben geborene Großnichte vielleicht irgendwann in andere Gesichter schauen als ich, und hoffentlich auch anders gesehen werden. Auf Augenhöhe und mit Respekt im Blick.

http://m.bpb.de/apuz/178670/die-sexismus-debatte-im-spiegel-wissenschaftlicher-erkenntnisse?p=all

 

 

Die neue Rechte, der ländliche Raum und wir Grünen

Grüne BW ländlicher raumBei der 2. Transnationalen Alpentagung wurde kürzlich das Thema der Rechtsparteien und deren Vor- bzw. Durchmarsch in den Landgemeinden diskutiert. Gegenstand der Debatte waren u.a. die Bundespräsidentschaftswahlen in Österreich, wo bei der ersten Wahl in den Gemeinden unter 3.000 EW Norbert Hofer teils 80% der Stimmen erringen hatte können. Dahingegen hat Van der Bellen bekanntlich durch die urbane Wählerschaft die Wahl für sich entschieden. Aber auch in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich etc. etablieren sich weiterhin Rechtsparteien, die insbesondere im ländlichen Raum gewählt werden. Spezifisch für Frankreich ergaben Studien, dass Marine Le Pen hauptsächlich dort gewählt wurde, wo der Raum am meisten parzellisiert ist, also in periurbanen Gegenden, in denen sich das Gemeinschaftsgefüge großteils aufgelöst hat.

Damit ist die große Angst vor Vereinsamung und Abgrenzung die Kehrseite der Indiviualisierung, und auch sie führt nach Rechts.

Die Überlegungen sind für uns in Südtirol wichtig, weil wir uns ja fast gänzlich (mit Ausnahme Bozens, das nicht umsonst vielfach als „Fremdkörper“ in Südtirol empfunden wird) als ländlichen Raum wahrnehmen – wenn das auch nur teileweise stimmt, so ist die kollektive Wahrnehmung doch sehr von Südtirol als ländlichem Raum dominiert.

Rechtspopulisten haben laut der Publizistin Liane Bednarz zwei wesentliche Merkmale: Erstens das Auftreten durch markige Sprüche und Vereinfachung und zweitens durch den moralischen Alleinvertretungsanspruch („nur wir vertreten das echte Volk“) und Verachtung gegenüber den anderen Parteien.

Die neue Rechte fußt auf Ethno-Pluralismus: In Abgrenzung von den Rechtsextremen, die verfassungsfeindlich auftreten und völkische Überlegenheit in den Mittelpunkt stellen, sagen die neuen Rechten, dass prinzipiell alle Kulturen gleichwertig sind. Abgelehnt wird aber die „Mischung“ der Kulturen, das „Multikulti“, die „Überfremdung“. Der Aufbau von Angst vor diesen Trends angesichts von Flucht und Migration funktioniert besonders gut in jenen Gegenden, in denen es kaum echten und direkten Kontakt mit „dem Fremden“ gibt. Dort ist man für die rechten Botschaften besonders empfänglich, und gerade das wird von den Rechtspopulisten genutzt.

Daneben arbeiten Rechtspopulisten noch mit einem weiteren Feindbild, nämlich „den Eliten“. Hofer betonte Van der Bellens Verortung „in der Schickeria“ bei jeder Gelegenheit. Denselben Diskurs führt in Italien sehr erfolgreich die 5*Bewegung. Aber auch in Südtirol gibt es immer wieder Abgrenzungsversuche vom „politischen Establishment“, von „den Parteien“ seitens einzelner PolitikerInnen oder politischen Bewegungen, die in diesem Sinne antielitär auftreten – bis sie selber der Identifikation mit dem System erliegen. Chi di moralismo ferisce, spesso di moralismo perisce.

Eine Überlegung für uns Grüne muss sein, dass gar einige klassische „grüne“ Themen von den Rechten übernommen werden: Naturschutz, Schutz der Heimat, Tierschutz sind etwa jene Inhalte, die einst von der konservativeren Flanke innerhalb der Grünen besetzt wurden, und zum Teil jetzt von Rechtsparteien vertreten werden. Und mit den Themen sind auch ehemalige Grün-WählerInnen abgewandert. Andererseits vertragen es die Rechtspopulisten gar nicht, wenn Linke in ihre Gefilde eindringen. Als etwa Van der Bellen vor der Wiederholung der Wahl offensiv das Heimat-Thema spielte, goutierte das sein Gegner ganz und gar nicht.

Schließlich nutzen Rechtspopulisten ein weiteres, historisch vorverdautes Feindbild: die „Stadt“. Wie zu den übelsten Zeiten des vorigen Jahrhunderts wird die Stadt heute wieder gern als Gomorrha gelesen, als Ort der Verwirrung und der Vermischung, als Stätte der Entheimatung und Entwurzelung, wo das Fremde eindringt und Identität verloren geht. Gegenüber der kaleidoskopischen und komplexen Wirklichkeit der urbanen Gesellschaft kann die „Einfachheit“ und „Sicherheit“ des ländlichen Raums gespielt werden… samt der Notwendigkeit, ihn vor dem Eindringen des „Fremden“ zu schützen. Dafür nun wiederum bieten sich Rechtspopulisten geradezu an und dass sie auf dem Land, in den Tälern Gehör finden, beweist ihre Verwurzelung und Vertretung in den kleineren Ortschaften.

Da haben wir Grüne einen Weg vor uns. Mit Natur- und Heimatschutzthemen und unserem ehrlichen Engagement können wir weit über die Städte hinaus punkten. Und die Zuschreibung von exklusiver Urbanität und Elitenvertretung bleibt eine Falle, in die wir nicht tappen dürfen, auch wenn wir in den Städten vielleicht unmittelbarer verstanden werden.

Es ist eigentlich eine schöne Aufgabe. Schließlich ist das radikal Andere an uns Grünen genau der Ansatz, immer wieder Gegensätze in Verbindung zu bringen. So sollten wir vermehrt kommunizieren, wem wir Heimat bieten können: den naturliebenden DorbewohnerInnen ebenso wie den aufmerksamen StädterInnen (und umgekehrt).

Offenes Denken hält schließlich nicht vor dem Ortsschild statt.

 

Una Politica della Buona Vita. Eine Politik des Guten Lebens. Discorso alla Landesversammlung, BZ, 27.05.2017

TrommelnBuon giorno!

Die Grundfrage: Worum hat es zu gehen?

Di che cosa dobbiamo occuparci (e di che cosa dobbiamo pre-occuparci)? Vorrei mettere al centro delle nostre riflessioni di oggi il concetto della Buona Vita, das Gute Leben, il Buen vivir. Sembra una banalità (non dobbiamo mirare tutti alla buona vita? Che c’entra la politica?) invece potrebbe, dovrebbe forse essere sempre maggiormente essere il nostro Leitfaden, il filo verde per quello che facciamo. Il Buen vivir si è sviluppato all’interno delle popolazioni indigeni ed è la summa summarum della loro saggezza. In un momento in cui il nostro sapere di „occidentali“ sta giungendo decisamente ai suoi limiti magari è il caso di rivolgerci ad altre saggezze, a quelle delle donne, ad esempio, dei poveri,dei popoli sottomessi…

Tre pilastri ha il Buen vivir:

  1. Vivere il legame con la natura
  2. La comunità
  3. La fiducia.

Natur, Gemeinschaft, Vertrauen – das ist das Dreieck des Guten Lebens laut den indigenen Völkern Südamerikas und es wird von ihnen auch im Politischen, insbesondere im Politischen gelebt, bzw. als lebbar angesehen.

Nein, es geht nicht um Fein sein, beinander bleiben, um Kuschelprogramme, Schönwetterreden oder leichtfertige Gutmütigkeiten, sondern um eine klare politische Ansage, die zum jetzigen Zeitpunkt mehr denn je gebraucht wird.

Wenn Verbundenheit mit der Natur als Ziel der Südtiroler Politik stünde, gäbe es ein anderes Raumordnungsgesetz als jenes, durch das wir uns derzeit in der frustrierten Analyse quälen.

Es gäbe keinem Widerstand gegen unsere Gesetzesinitiativen gegen Pestizide oder Herbizide, die Beibehaltung der Wintersperre am Würzjoch wäre ebenso logisch wie die Einschränkung des Flugverkehrs über dem Unterland und dem Bozner Talkessel.

Konventionelle Landwirtschaft wäre jene, die seit Jahrhunderten Menschen auf dem ganzen Planeten ernährt, Tierfabriken wären undenkbar, dafür müsste man über die Förderung von Gärten nicht müde lächeln oder sich gar aufregen.

Klimaschutz wäre nicht nur das Anliegen von ein paar Spinnern, die gegen Großkonzerne aufbegehren, sondern wäre erste und oberste Priorität, um unseren zerbrechlichen Planeten noch halbwegs gesund an die nächsten Generationen zu übergeben.

Come vedete in questi pochi esempi, questo fil rouge ci può guidare a tutti i livelli, dal lavoro della singola consigliera di circoscrizione fino alle trattative internazionali.

Certo, una bella sfida, significa una svolta radicale, passare dall’antropocentrismo al biocentrismo, considerare i diritti della natura pari ai diritti di noialtre.

Übrigens habe ich mir zum sichtbaren Zeichen der Verbundenheit mit der Natur angewöhnt, immer eine Blume oder eine lebende Pflanze im Blickfeld zu haben. Und manchmal denke ich, dass das mehr Veränderung in den Landtag bringt als viele Beschlussanträge…

Und auch wenn wir in der pragmatischen Sachpolitik, die wir auf allen Ebenen betreiben, stets auch kleine Schritte in die richtige Richtung würdigen, so darf uns das Ziel vor Augen nicht verloren gehen.

Und das ist jenes einer radikalen Wende.

Einer radikalen Wende in der Umweltpolitik, der Verteilung, der demokratischen Vertretung – vor allem aber auch eine Denkwende.

Denn das Schöne unserer grünen Politik (lo dico in ogni discorso, scusate) ist genau das. Dass wir immer bei uns selbst anfangen können. Während andere „auf die da oben“ schimpfen und zugleich weidlich deren Spiel mitspielen, ist uns Grünen seit jeher das Privileg bewusst, dass das Welt-verändern nicht in der großen Politik beginnt, sondern bei unserem Essen, unserer Kleidung, unserem Verkehrsmittel, unserem Konsumverhalten.

È purtroppo anche questo che ci rende antipatici, moralisti, fondamentalisti se sei coerente e slavato quando non sei fondamentalista. Insomma, il cruccio di essere verdi lo conosciamo e non voglio dilungarmi. Il mio discorso ci vuole motivare, renderci orgogliosi di noi e farci venire voglia di andare avanti e di crescere.

Ce n’è, ce n’è, da essere orgogliosi. Poi tirerò anche le somme del percorso fatto in questi anni, ma vorrei soffermarmi un attimo ancora sulla Buona Vita.

Perché il secondo pilastro è quello della Comunità.

Per una buona vita è fondamentale poter vivere bene il nostro essere esseri-sociali.

Se pensate che l’umanità si è sviluppata (non come si pensava un tempo, dopo aver imparato ad usare gli utensili) per la comunicazione e la socialità, allora forse dobbiamo fare il punto della situazione sulle evoluzioni recenti.

Mi riferisco da un lato all’aspetto individuale e al rischio di perdere competenze in un mondo che relega la comunicazione a un livello digitale (e ringrazio il gruppo DIGITAL SUSTAINIBILITY che si è formato da poco nei Verdi e che si occupa proprio di queste tematiche) e che all’insegna di indipendenza crea persone sempre più sole (pensate che stiamo perdendo anche competenze banali come chiedere a qualcuno di farci una foto o di spiegarci la strada…).

Auf der anderen Seite aber beziehe ich mich auf das Gesamtgesellschaftliche und sage es ganz deutlich:

Eine Gesellschaft kann niemals ein Gutes Leben bieten, wenn sie ausschließt. Una società non può offrire una buona vita se esclude.

Se esclude dalla ricchezza, dal benessere, dall’eguaglianza dei diritti.

Für uns ist es logisch und es langweilt auch, immer das Gleiche zu wiederholen: Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit müssen Hand in Hand gehen. Non siamo per una politica ecologista fine a sé stessa.

Non esiste, se non è solidale.

Mi sono praltro convinta, osservando i Verdi di tutta Europa, che attualmente il più grande impegno, specie dei e delle giovani Verdi, non punta principalmente sull’ambiente, il nostro tradizionale „core business“, ma che il vero Herzblut, il maggiore movimento nel senso di Bewegung lo si trova nell’ambito della politica della migrazione.

Sono giunta alla conclusione che infatti attualmente la forza più dirompente dei Verdi sia in ambito sociale,proprio nelle politiche dell’integrazione. La paragono alle tematiche ambientali nei primi anni dei Verdi.

Das große gesellschaftliche Innovationspotenzial der ersten Grünen lag in der Umweltpolitik und im alternativen Auftritt. Sie haben damals sehr angeeckt, wurden verlacht, an den Rand gedrängt – und dabei haben sie aber auch Erneuerung und Entwicklung geschaffen. Heute ist Umweltpolitik Teil des Establishment und gilt als politischer Mainstream.

Und wieder sind wir Grünen es, die in der größten gesellschaftlichen Herausforderung dieser Zeit – eben der Migrationsfrage – voran gehen, den Kopf hinhalten, auf Entwicklung pochen, sie politisch einfordern und menschlich vorleben. Wieder werden wir verlacht und als Naivlinge marginalisiert.

Vielleicht kann uns aber auch dieses Bewusstsein, dass wir nicht weltfremd sind, sondern nur der Zeit voraus, stützen und stärken.

Ich plädiere daher insistent für ökosoziale Politik, mehr denn je, più convinta che mai.

Ja, man das Thema der sozialen Gerechtigkeit ganz schön ausklammern. Wir sehen das bei manchem politischen Mitbewerber im Landtag, der immer dann aus dem Saal geht, wenn es um brenzlige soziale Themen geht.

Wir sind dann als Gutmenschen allein auf weiter Flur, manchmal trotzig, manchmal frustriert und abgekanzelt, meistens aber mit dem sicheren Gewissen, dass wir genau das Richtige sagen, auch wenn es weh tut.

Wir fühlen uns dabei ehrlicher und konsequenter als jene, die HabtAcht stehen, wenn der Bischof kommt und die wehrhaft das Kreuz als Zeichen unserer „christlichen Wurzeln“ verteidigen und dann aufrufen zum Abschieben, zum Isolieren, zum Ausgrenzen, zum Unterscheiden zwischen jenen, die sich den Wohlstand verdienen und anderen, die ausgeschlossen sein sollen. Die jährlich im November schreien, dass die Martinsprozession gefährdet ist – und dann fordern, dass den Obdachlosen am Magnago-Platz die Decken weggenommen werden.

Si, fa male, pensare alla povertà, anzi all’impoverimento.

Disturba, pensare alle disuguaglianze.

Ciò nonostante credo che in questo ci sia anche la più forte richiesta sociale (appunto) verso di noi. In mancanza di una vera forza socialdemocratica in Südtirol-Alto Adige, noi occupiamo questo spazio politico – e credo che negli appuntamenti elettorali dei prossimi tempi`sarà proprio su questo che bisognerà alzare la voce. (grazie al gruppo social&green, alle donne verdi e a VerdECOnomia che stanno ponendo le basi da tempo per una riflessione approfondita e consapevole di questi argomenti).

Kommen wir noch zum Vertrauen, der dritten Säule des Buen Vivir, la fiducia. Ich möchte hierzu einen Blick auf die Politik im engeren Sinne werfen, auf die Demokratie – auf sie hatten wir auch in unserer Wahlkampagne 2013 zusammen mit der Umwelt den Schwerpunkt gesetzt – nicht zuletzt nach der allseits gewürdigten Arbeit von Riccardo und Hans in Sachen SEL und im Hinblick auf die Ankündigungen der neuen SVP-Spitze auf Erneuerung und Erweiterung der demokratischen Mitgestaltung im Lande. Wir werden dazu noch ausgiebig Stellung nehmen, in den kommenden Monaten.

Im Moment möchte ich ein wenig die allgemeinere Entwicklung beschreiben und unserer Rolle darin nachspüren.

Zwei Momente der letzten Tage und Wochen haben mir sehr zu denken gegeben. Einmal die Rede von Emmanuel Macron nach seinem Sieg im ersten Wahlgang. Wie wir alle war ich natürlich froh, dass Le Pen nicht gewonnen hatte. Aber die Inhaltsleere seiner Rede machte mich betroffen. Es ging um ihn. Um das Vertrauen, das man in ihn zu setzen hatte, um seine Redlichkeit, seine Unabhängigkeit von Parteien und politischen Interessensgruppen. Ähnliches erleben wir in Österreich von Sebastian Kurz und nicht viel Anderes ist im Südtiroler Landtagswahlkampf zu erwarten. Pare che i partiti come scrigni dei valori o come piattaforme di confronto non servano più, anzi, siano di impiccio. L’alternativa è la proiezione di tutte le aspettative su un’unica persona, spesso anzi su un unico uomo. In genere, se è furbo, non si scopre mai del tutto, si tiene molte vie aperte. Così può piacere a tutti e al contrario di tutti.

Es ist die Ära der Publikumslieblinge angebrochen, und jene der Beliebigkeiten. Die Zeiten von kantigen PolitikerInnen, die auch einmal aneckten, provozierten, neue Straßen eröffneten, auf die Nerven gingen, scheint ebenso vorbei wie jene der Parteien oder Bewegungen als Identifikationspoole. Die Halbwertszeit von PolitikerInnen hat sich ungemein verkürzt. Expertise, kollektive Entscheidungsfindung, generationelle Weitergabe von Werten, das alles scheint passé. Der Tanz der Eitelkeiten, la sfida dei narcisi ist grässlich anzusehen. Mich besorgt diese Entwicklung und ich kann euch nicht sagen, wie stolz ich darauf bin, einer Bewegung anzugehören, die sich weiterhin, bei aller nötigen Modernität im Auftritt (übrigens haben wir auch endlich ein neues Corporate Design und im Herbst wird es auch eine neue Homepage geben), dieser Entwicklung verweigert. Wie sehr freut es mich, dass in Österreich im angehenden Ego-Match bei unseren grünen FreundInnen zwei Frauen vorne stehen, die die Sachpolitik noch nicht verlernt haben und mit Energie und Kompetenz den eitlen Tröpfen zu Leibe rücken werden. (Alles Gute, Ingrid und Ulli!!)

Io credo, spero, che ci sia ancora spazio in politica, per una politica sana e non narcisistica. Lo schema del narcisismo prevede che ci si esalti nell’abbassare l’altro. In genere nelle assemblee dei partiti gli applausi più grossi arrivano quando si parla male dell’avversario. È facile. Crea spirito di appartenenza. Esalta i propri pregi, più spesso copre le proprie mancanze. Non è un meccanismo sano per la politica. Da un lato affascina il pubblico, dall’altro crea disprezzo verso la politica (tanto, quelli sanno solo litigare). Fa parte della politica sana, ecologica invece essere corretti. Siamo per la non-violenza? Allora pratichiamola anche in politica. Tra Vaffanculismo e Qualunquismo c’è spazio. Lo spazio per noi, la nostra buona politica verde, costruttiva, critica e propositiva.

Die kleine, selbstbezogene Frage also, Wie wollen wir sein? verschmilzt mit der großen Frage: Wie verändern wir Welt? (denken wir an den alten Berliner Grünen Hans Christian Ströbele, der auf die Frage, warum er mit Mitte 70 noch einmal kandidiere, geantwortet hat: Weil es mit der Weltrevolution noch nicht ganz geklappt hat…)

Wir wissen: Nicht durch Schweigen, Wegschauen, sich Wegducken. Ganz sicher auch nicht durch narzisstische Selbstdarstellung. Leider auch nicht durch Selbstausbeutung, die dem guten Leben ebenfalls zutiefst widerspricht und die bei uns Grünen schon fast in den Genen liegt (die zweite Episode dieser Tage, die mich sehr berührt hat, war der Rücktritt von Eva Glawischnig, die es offensichtlich nicht mehr derpackt hat und kurz vor dem Abgrund den Absprung geschafft hat).

Nur eine kollektive Leistung kann dies alles verhindern. Siamo state, con le Donne verdi, a un Workshop di percussioni, l’altra sera. Non era solo bello e divertente, trovare il ritmo insieme, e fare, per una volta, qualcosa di „fisico“, era anche un’esperienza di conoscenza. Se si battono i tamburi insieme, anche se per una volta perdi il ritmo, lo ritrovi, perché le altre lo portano avanti. Se sbagli ti riprendi subito, perché le altre di ripigliano. È stata una lezione di bella politica, la nostra serata trag li strumenti musicali. Abbiamo visto anche che ci sono molti modi per amplificare i suoni, modi che l’umanità ha sviluppato nei millenni, prendendo pezzi di natura, di piante, di animali, usandoli per far sentire la propria presenza. Per avvertire dai pericoli, mandando suoni attraverso il paesaggio, per le colline. Per gustare la bellezza dei suoni. E per farla risuonare insieme.

Questo è credo,il nostro compito nel mondo. Das ist unsere Aufgabe in der Welt. In den letzten Jahren haben wir sie erfolgreich wahrgenommen. Auch wenn unser Selbstbild immer sehr kritisch ist und unsere Unzulänglichkeiten in den Mittelpunkt stellt, so sollten wir manchmal auch auf unsere Erfolge schauen.

Seit 2008 haben wir uns bei den Landtagswahlen um 50 % gesteigert, wir haben einen Parlamentarier nach Rom entsandt, was kein Wunder war, sondern auch gewiefte Strategieentscheidung. Beinahe hätten wir es mit Oktavia Brugger wieder ins Europaparlament geschafft. Wir stellen in Bozen die Stadträtin (e a volte, seguendo le politiche di BZ sui media, sembra anche che sia l’unica assessora della città…), in Meran zusammen mit der Liste Rösch den Bürgermeister. Wir sind in diesem Sinne die zweite Regierungskraft im Lande.

Possiamo essere quindi anche orgogliosi, ogni tanto. Tutto questo lo abbiamo raggiunto sempre riunendo le forze, scegliendo le streategie più intelligenti e soprattutto credendo in quello che facciamo e credendo in quello che vogliamo raggiungere.

Un mondo migliore, una buona vita per tutte noi. E per i compagni e le compagne nella natura e per il pianeta che ci ospita.

C’è bisogno di noi. Es braucht uns.

Danke. Grazie.

In Gott’s Namen – kleine Auswahl der Beschimpfungen

grunes-arschloch-screenIn der Folge einige der Online- und insbesondere Facebook-Kommentare, die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Die Frage, wie es einer im Shitstorm geht, verschwindet hinter den Zweifeln, wie man grundsätzlich mit Häme, Beschimpfung, Ächtung umgehen soll. Man solle nicht zimperlich sein, wurde geschrieben, das müsse man als Politikerin aushalten, es gebe ja gutes Gehalt dafür. Ich bin zum Schluss gekommen: Ja, aushalten kann man es wohl. Trotzdem habe ich einige der Aussagen zur Anzeige gebracht. Es gehört zu Zivilcourage, die Dinge nicht schweigend hinzunehmen, sondern etwas dagegen zu tun. Wenn ich auch nur eine einzige Person vor ähnlichen Aussagen bewahren würde, hätte es sich schon gelohnt.
Laura Boldrini, eine der meistbeschimpftesten Frauen Italiens, veröffentlicht die Kommentare, die sie betreffen. Ich habe dies nun auch beschlossen.
Hier also eine kleine Auswahl der Kommentare, die (im Namen der Verteidigung des Kreuzes, wohlgemerkt!)  in den letzten Tagen im Netz zu finden waren:

Brennessel: Ach Fopperin, was gedenken sie an Stelle des Kruzifixes an die wand zu hängen, vielleicht einen Penisköcher?

Carlo Roncador: olle aufhengen dei grean solongs nou bamm gib…

Hans Gasser: Frau Foppa gehört für diese Aussagen ans Kreuz genagelt.

Diandl: Steckt die Foppa in eine Burka und schenkt sie einem Scheich

Petra: … sou a Henne die Mocht über ins hobm,jo iatz gangs nor, zem häng i sie decht persönlich aufn Kreuz aui

X.Y. (hat über das Studio Brandstätter die Löschung des Namens aus der Liste verlangt): Wenn die weiterhin so einen scheiss verzapft, sollte sie sich in Zukunft nicht mer in der Öffentlichkeit zeigen… Könnte ins Auge gehen…

Peter Nied: Dei war an s kreuz zi nageln und alle andre ait na isch a ruh

Christian Thaler: Naja sie wird sich denken, wenn ich diesen Ivasoren ein bißchen beistehe vielleicht bekomme ich auch ein bisschen Ficki Ficki ab, denn sonst bekommt sie eh keinen ab !

Christian Stift Unterhuber: olle tollerant u geisteskrank, genau des führt zum 3ten Weltkriag, mir sein mittendrin……. Der Grianen Zecken terfets net aml gebm, gleich wia die SÜDTIROLER VERRÄTER PARTEI

Lukas Pernstich: Die Foppa und in Knoll afn Kreuz aui noglen nor kennen sie weiter diskutieren!

Moritz Insam: die linken miaset manmit den gonzn gsindl mit oschiabn

Roberto Fazzi: Schlog ihr oaner bitschian oane zu die oarn. Wenn sie es Kuzifix stört soll se wiede rzem hin gian wo se herkemmen sein.

Walter Fischnaller: … i tat di Foppa afn Kreiz auinogln… yessssss…

Alexander Lanz Guarienti: Grüne Dreckschleuder, vai a fare in culo

Edith Duregger: Schwachsinnige Multi-Kulti-Idioten, machen einen auf demokratisch und verarschen die eigene Kultur !!

Dieter Oberlechner: Des grüne Pact gersch außn zu jogn… de vorschandl meine lieblingsforbe.

Maier Matthias: Frau Foppa, scheren sie sich zum Teufel, sie werden doch nicht erwarten dass jemand Mitleid mit ihnen hat nachdem sie solche Aussagen tätigen!Ab mit ihnen aus der Politik! Gehen sie nach Afrika und lassen sich von Ngerschwänzen FICKEN! AB AB AB!

Hubert Leiter: Ich geh zum Papst. Sie soll exkomuniziert werden. Und wenn sie verreckt soll sie den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden. Auf keinen Fall auf einem Friedhof.

 Und hier noch einige der Messages, die mir geschickt wurden:

René N.: Scham di. Vor sella Menschen hon i koan Respekt.

Dani H.: Bisch behindert, gitsch? Obfetzn fa inson Lond, wenns do nit passt.

Giorgio M.: foppa brigitte (minuscolo) VERGOGNA!!!! se ha  un pò di dignità si dimetta dai suoi incarichi politici e scompaia nell’oblio. auguro a lei e famiglia di non aver mai bisogno di guardare o cercare il CROCIFISSO. Con il mio più sentito Disprezzo!!

Johannes B.: Nur weil du ne nixglaubige bist hast du ned das recht ein kreuzverbot in offentlichen raumen zu verlangen du nixnutzige tassi! Es ist ne schande wenn jemand wie du im landtag sitzt aber du bist eben von idioten gewaehlt worden. Eine wie du sollt hinterm herd bleiben.

(Kommentare so originalgetreu  wie noch lesbar übertragen)

Das Kreuz mit der Denkfreiheit

2017-02-09-taz-kreuz-im-mund

Ein “shitstorm” fegt derzeit durch Südtirol, und als Adressatin desselben möchte ich dazu Stellung nehmen. 

Von einem Redakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung wurde ich angerufen und zur Debatte in Österreich bezüglich des Kruzifixes in öffentlichen Gebäuden um meine Meinung gefragt. 

Im Interview wurde diese auch wiedergegeben:

Wir leben in Italien in einem Laienstaat, der die Trennung zwischen Kirche und Staat vorsieht. Die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum gehört bisher als kulturelle Tradition dazu. Ich kann damit auch gut leben. Wenn sich die Gesellschaft wandelt und nicht mehr nur eine Religion ihre von der Verfassung verbrieften Rechte leben will, so sagte ich im Interview, werden wir uns über die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum neu verständigen müssen. Persönlich bin ich nicht religiös, fügte ich hinzu, und finde, dass Religion eine private Angelegenheit ist.

Die angebliche Forderung nach “Entfernen des Kreuzes aus den Schulkassen” wurde von mir nicht erhoben. Es reichte eine derartige Andeutung in der Titelzeile, um dies zur Nachricht zu machen. Ohne jegliche Nachfrage wurde die nicht getätigte Aussage von anderen Medien übernommen. Für dieses Vorgehen erwarte ich mir umgehend Richtigstellungen insbesondere von “Unser Tirol 24” und “Südtirol News.”

Ich werde seitdem mit Hass- und Drohbotschaften überhäuft. Die Aussagen reichen von “Scham di” bis hin zu Kreuzigungs-, Gewalt- und Ausweisungsphantasien. Die aggressiven, zum Teil gewaltsamen Reaktionen geben Aufschluss über die Meinungskultur in unserem Land. Dass es nicht möglich sein soll, über den Umgang mit religiösen Symbolen in einer sich verändernden Gesellschaft zu diskutieren, muss uns erstaunen. 

Es gab auch solidarische Aussagen, für die ich dankbar bin. Eine Gesellschaft, die sich gern als abendländisch und aufgeklärt definiert, sollte solche Debatten gelassener und ohne Sündenböcke führen können.

Brigitte Foppa, 5. Februar 2017

 

Schaugs holt – salutando Egon

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Am Grabe meines Bruders Egon

Ich möchte von Egons letzten Tag sprechen, denn dieser Montag war ein bisschen wie die Miniatur seines Lebens. Am Morgen bat er uns, ihn aufs Joch zu bringen. Ich hatte die Ehre ihn zu fahren. Immer wieder beschwerte er sich über meinen Fahrstil und vor allem über meinen Hybrid, der die Bergstraße viel zu hochtourig nahm. „Wie kann man sich nur so ein Auto kaufen, das womöglich noch mehr Sprit braucht als ein normales“, schüttelte er den Kopf.

Den Vormittag verbrachte er im Hotelbüro. „Ich kann zwar nicht arbeiten“, sagte er, „aber ich kann ein wenig dem Fabian helfen und mit den Leuten reden.“ So war Egons Geschäftsphilosophie.

Wer ein Gasthaus hat, muss die Menschen mögen, war seine Überzeugung. Er glaubte nicht an Gewinnmaximierung oder an blinde Ausbeutung, sondern an einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen, an das Leben und Leben lassen.

Es ging ihm, lang bevor die Welt von sanftem Tourismus und Nachhaltigkeit zu reden begann, um eine sanfte Entwicklung des Bestehenden. Dazu gehört auch, zuzulassen, dass es eine Zeit nach sich selbst gibt und diese vorzubereiten.

Auch das hat Egon getan.

So konnte er sich Montag gegen Mittag zum Rasten in sein Zimmer zurückziehen. Als sich sein Zustand verschlechterte und wir alle um ihn waren, Marion, die Kinder, wir Geschwister, hat uns Egon noch einmal eine Sternstunde seiner Charakterstärke erleben lassen.

Ad esempio, quando Tullio, che da decine di anni si occupa delle piste da sci, è venuto a salutarlo, gli ha chiesto: „Fa freddo?“ e Tullio ha capito e gli ha risposto: „Si, Egon, vado ad attaccare i cannoni, sta tranquillo!“. Pensate. Che bel modo per salutarsi.

Als es zu dämmern begann, äußerte Egon den Wunsch, nach Hause zu fahren. Er gab Erich genaue Anweisungen, wo das Einsteigen am praktischsten wäre und sagte am Schluss „Jetzt kannst du vorfahren!“. So hat er auch seinen letzten Tag mit leiser Regie gestaltet und zwar so, wie es für ihn und uns alle am besten war.

Das ganze Leben lang hatte er es so gemacht, ohne jemandem je etwas aufzudrängen, aber immer mit dem Blick dafür, was die beste Lösung sein könnte.

Dazu gibt es eine ganze Serie von skurrilen Lebensweisheiten in seiner Schatzkiste. Hatte man etwa ein Problem und er wollte einen auf einen anderen Gedanken bringen, sagte er: „Das beste gegen Zahnweh ist, sich mit dem Hammer auf den großen Zeh zu schlagen!“.

Oder als sich in den letzten Jahren die Todesfälle in der Familie häuften und wir darüber sinnierten, dass dabei immer ein Familienmitglied gerade auf Reisen war, meinte er: „Also muss man schauen, immer der zu sein, der gerade auf Reisen ist!“.

Wir haben mit diesen kleinen Exorzismen gemeinsam versucht, über die schweren Zeiten zu kommen, aber am Montag war Egon nicht der, der auf Reisen war. Vor der Haustür in Montan hat sein Leben aufgehört.

Damit beginnt für uns die Zeit ohne ihn.

In einem Beileidsschreiben schrieb uns jemand: In una delle lettere di condoglianze ci sono giunte queste parole: “Le notizie che parlano di tuo fratello lo raccontano proprio come una bella persona e persone così lasciano spesso non un grande vuoto, ma una grande eredità. Portarla avanti è il compito di chi resta. E’ il senso vero e profondo della vita che non muore mai. Tu e la tua famiglia saprete sicuramente farlo, anzi avete già cominciato a farlo.”


Es wäre schön, wenn das stimmen könnte. Einer der Sätze, den wir alle mit Egon am meisten in Verbindung bringen und der immer am Ende von gemeinsamen Überlegungen darüber stand, was denn das beste sein könne, lautete: Schaust halt!, Vedi un po‘ tu. Damit war klar: Er hatte seins gesagt und getan, am Ende aber muss immer jeder selber schauen, was das beste ist. Darin liegt eine große Freiheit und eine große Verantwortung. Egon hat sie uns immer gegeben und daran sind wir alle gewachsen.

Lieber Egon, wir werden schauen weiterzumachen. Voller Dankbarkeit für alles, was wir von dir lernen konnten und in Erinnerung an die vielen schönen Stunden zusammen, sagen wir heute ein letztes Mal zu dir: Schaugsch holt!

7.1.2017

egon-lacheltVorrei parlare dell’ultimo giorno di Egon. Perché questo lunedì era un po’ come una miniatura della sua vita. Al mattino ci chiese di andare agli Oclini. Ebbi l’onore di portarlo in macchina. Si lamentava del mio stile di guida e soprattutto della mia ibrida che faceva le strade di montagna troppo su di giri. “Ma come si può comprare una macchina che magari consuma più di una macchina normale….?” scuoteva la testa.

Passò la mattina nell’ufficio dell’albergo. „Non riesco più a lavorare“, disse, „ma posso aiutare Fabian e parlare con la gente.“ Questa era la filosofia imprenditoriale di Egon.

Chi ha un albergo deve volere bene alle persone, era la sua convinzione. Non credeva al cieco sfruttamento e alla massimizzazione dei profitti, ma all’uso attento delle risorse, nel vivere-e-lasciar-vivere.

Molto prima che il mondo iniziasse a parlare di turismo dolce e sostenibilità lui credeva nel soave sviluppo di quello che c’era. Era parte di questa filosofia accettare che esiste un tempo dopo di noi e prepararlo.

Anche questo ha fatto Egon.

E allora quel lunedì poté ritirarsi in stanza verso l’ora di pranzo. Quando il suo stato peggiorò e tutti noi, Marion, i figli, noi fratelli e sorelle, eravamo intorno a lui, Egon ci fece dimostrazione un’ultima volta della sua forza di carattere.

Ad esempio, quando Tullio, che da decine di anni si occupa delle piste da sci, è venuto a salutarlo, lui gli ha chiesto: „Fa freddo?“ e Tullio ha capito e gli ha risposto: „Si, Egon, vado ad attaccare i cannoni, sta tranquillo!“. Pensate. Che bel modo di salutarsi.

Quando iniziava a imbrunire, Egon espresse il desiderio di andare a casa. Dette a Erich delle precise indicazioni di parcheggio per essere più comodo e infine disse: „Vai a prendere la macchina.” Così anche il suo ultimo giorno lo ha gestito con lieve regia, per fare in modo che passasse al meglio, per lui e per tutti noi.

Aveva sempre fatto così. Senza mai imporre nulla a nessuno, ma sempre con l’obbiettivo puntato verso ciò che poteva essere la soluzione migliore.

Su questo esiste tutta una serie di saggezze un po’ curiose nel suo scrigno. Ad esempio quando si aveva un problema e cercava di distrarti, diceva: “Se hai mal di denti, la cosa migliore è darti una martellata sul dito dei piedi!”

O, quando negli ultimi anni continuavano a morire le persone della famiglia e insieme riflettevamo sulla curiosa coincidenza che qualcuno si trovava sempre in viaggio, allora disse: “Beh, la cosa importante allora è sempre essere quello che è in viaggio!”

Con questi piccoli esorcismi ci siamo aiutati a passare i tempi difficili. Ma lunedì per Egon è stato un po’ diverso. Davanti alla porta di casa a Montagna ha finito di vivere.

Per noi inizia la vita senza di lui.

Ci hanno toccati queste parole in una delle lettere di condoglianze: “Le notizie che parlano di tuo fratello lo raccontano proprio come una bella persona e persone così lasciano spesso non un grande vuoto, ma una grande eredità. Portarla avanti è il compito di chi resta. E’ il senso vero e profondo della vita che non muore mai. Tu e la tua famiglia saprete sicuramente farlo, anzi avete già cominciato a farlo.”

Sarebbe bello se potesse essere vero. Una delle frase che tutti noi ricordiamo di Egon e che stava sempre alla fine di riflessioni comuni su cosa potesse essere la cosa migliore, era: Schaust halt!, Vedi un po’ tu. Lui aveva detto e fatto il suo, ma alla fine ognuno deve vedere da solo qual è la cosa migliore. In questo sta una grande libertà e una grande responsabilità. Egon ce li ha sempre dati e siamo cresciuti tutti in questo modo.

Sí, Egon, vedremo un po’ noi. Con gratitudine verso tutto ciò che abbiamo potuto imparare da te e ricordando tutti i bei momenti insieme, oggi diciamo un’ultima volta a te: Vedi un po’ tu.