Der große Graben – Zur Kluft zwischen “Menschen” und “PolitikerInnen”

politikerVor einiger Zeit stand ich in Bozen in der Früh beim Bankomat und behob Geld. Ein Mann bieb stehen und beschimpfte mich in allen Tönen: “Ecco che schifo, voi politici, sempre solo pensare ai soldi!”. Nun hätte ich kontern können, dass ich als Gemeinderätin weit entfernt von der Abzocke bin, aber was mich so betroffen machte, war wieder einmal die Tatsache, was für ein Politikerbild in der Öffentlichkeit vorherrscht. Im Wahlkampf ist es besonders zu spüren. Du gehst auf die Plätze, versuchst in Kontakt mit den Menschen zu treten, ihnen zu erzählen, was du für Ideen und Vorschläge hast und erntest – durchaus auch Zuspruch, gerade wir Grüne – in erster Linie aber Schimpf und Tadel.

Gewaltig ist die Kluft, die zwischen “den Menschen” und “den PolitikerInnen” entstanden ist, zweifelsohne durch den vielen Missbrauch, den die Volksvertreter mit ihrem Mandat getrieben haben und weiterhin fröhlich treiben. In meinem politischen Alltag erlebe ich, gerade im Bozner Gemeinderat, ständig Szenen und Politiker, die jedes Vorurteil bestätigen. Lustlose Sesselkleber, hohle Palaverer, unvorbereitete Schmetterer, profillose Sitzungsgeldeinstreicher. Aber es gibt auch jene, die ihr Mandat ernst nehmen, die Themen bearbeiten, die sich nicht trauen zu fehlen, weil dann ihre WählerInnen von ihnen enttäuscht wären.

Politik so verstanden bedeutet Einsatz für die Allgemeinheit. Das bringt mit sich – und das ist auch richtig so – schwierige Entscheidungen zu treffen, sich damit zu exponieren, Kritik einzufahren.

Ich erinner mich an den Entscheidungsprozess zur Aufschnaiter-Schule in Bozen, der mir einige schlaflose Nächte bereitet hat. Meine Partei war für den Neubau, mein eigenes Gewissen dagegen. Ich holte Gutachten ein, machte Lokalaugenscheine, studierte die Sachlage aus allen Blickwinkeln, befragte die Passanten… aber am Ende war ich es, die bei der Abstimmung den Knopf drückte. Ich stimmte dagegen.

Warum ich das erzähle? Weil ich mir wünsche, dass zumindest auf salto diese Kluft ein Stück weit geschlossen wird.

Dass BürgerInnen, die an die Politik ausgeliehen sind, nicht in Ghettos unter sich diskutieren (was ihnen übrigens dann immer vorgeworfen wird), sondern mit jenen, für die sie ja da sind. Mit den BürgerInnen, die so vielleicht Entscheidungen nicht nur ausbaden müssen, sondern den Prozess dorthin miterleben, verstehen und direkt beeinflussen können.

Meinerseits will ich weiterhin als Bürgerin denken und mich als solche äußern dürfen. Wenn ich das nicht mehr kann, so habe ich mir fest vorgenommen, dann ist es Zeit, eine andere Beschäftigung zu suchen. Sollte ich es selbst nicht merken, bitte sagt es mir. Zum Beispiel auf salto.

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