Das kleine Vertrauen

kleines Vertrauen

 

Bohr ein Loch in den Sand,
sprich ein Wort hinein,
sei leise.
Vielleicht wächst dein kleines Vertrauen
irgendwann groß in die Sonne.

Dieses Gedicht von Konstantin Wecker hab ich über Jahre meinen Schülerinnen und Schülern in ihre Poesiealben geschrieben, als Mitgebsel von ihrer Lehrerin. Den eigentlichen Wert von Vertrauen hab ich aber erst erfasst, als ich meine ersten Schritte in der politischen Welt machte und erkennen musste, dass Vertrauen in der Politik zwar ein wichtiges Wort ist (nicht umsonst steht die Vertrauensfrage am Scheidepunkt einer Regierung), in Wirklichkeit aber nicht existiert.

In der Politik gibt es kein echtes Vertrauen.

Die Kanten zwischen Mehrheit und Opposition können sich nicht verhaken, man misstraut einander, hat dieses Misstrauen regelrecht professionalisiert. Nur naive Politneulinge glauben in das Gute und dafür werden sie vom Establishment verlacht oder zumindest belächelt. Vielleicht mit ein Grund weswegen Politik so selten imstande ist, Neues zu schaffen.

Nur die Menschlichkeit kann diese Praxis besiegen, dessen bin ich mir gewiss.

Daher zweifle ich daran, ob ich wirklich meine Unsicherheiten und Verletzlichkeiten, die ich noch so stark spüre, ablegen will. Ohne sie wäre mein Alltag zwar sehr viel leichter, aber ich fürchte auch, dass damit die Chance der Veränderung, die kleine Chance, die ich möglicherweise in mir trage, definitiv nicht in die Sonne wachsen könnte.

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