Die Sehnsucht, Andreina gekannt zu haben

Andreina_EmeriAndreina habe ich nicht gekannt. Sie starb 1985, ich ging damals gerade mal in die Oberschule und so habe ich keine Erinnerung an sie. Erst durch das Buch von Ingrid Facchinelli und Edi Rabini habe ich sie ein wenig „kennen gelernt“ – und „Sehnsucht“ danach verspürt, diese interessante Frau gekannt zu haben. Sie ist mit 49 Jahren gestorben, im Juli eineinhalb Jahre nach ihrer Wahl in den Landtag – genau so lange sitze ich nun hier drin. Wo ich das Gefühl habe, erst am Anfang zu stehen, da war Andreinas politischer Werdegang bereits zu Ende. Ich glaube, so Vieles hätte sie noch zu tun gehabt.

Ich stelle sie mir vor als eine ganz und gar im Leben stehende Frau, die sich genau als solche der Politik zur Verfügung gestellt hat. „Vogliamo esserci“, so schrieb sie, „ma senza lasciare indietro, da parte, niente di noi.“ Die dahinter stehende Überlegung bedeutet, dass es diverse Abspaltungsmechanismen gibt, die besonders in der Politik verbreitet sind und die es zu vermeiden gilt. Ansonsten gehen wir uns selbst als Menschen, als Frauen verloren und der Politik auch. Das ist eine enorme Freigebigkeit, die Andreina vorgelebt hat. Wenn sie darunter wohl auch gelitten hat, wie diese Aussage belegt: „Es ist sinnlos, nur für unsere Kinder und Enkel Umweltschutz zu betreiben, wenn wir selbst nicht imstande sind, am Sonntag auf den Berg zu gehen, weil wir immer auf irgendeiner Tagung eingesperrt sind.“ Damit bringt sie ein typisch grünes Dilemma auf den Punkt, das Andreinas politischer Weggefährte Alexander Langer – der übrigens auch 49 Jahre alt war, als er den Freitod wählte – vermutlich ebenfalls sehr gut gekannt hat.

Andreinas Bilder zeigen eine Frau, die große Kraft und Klarheit ausstrahlt, etwas Sprödes, Schnörkelloses, sehr Geradliniges. Was mir an ihr besonders gefällt, ist die Mischung dieser, wie ich meine, Sachlichkeit mit einer starken Beziehungsorientierung. Andreina ist auf wenigen Fotos allein zu sehen. Meist ist sie mit anderen und man erkennt die Bezogenheit auf ihr jeweiliges Gegenüber oder Daneben. Das zeigt sich ganz besonders, wenn sie inmitten ihrer großen Familie ist. Auf diesen Bildern ist sie auch am schönsten (schön war sie auch). Im Politischen überwiegt der konzentrierte Blick, die Aufmerksamkeit, die sich auch durch ihre politische Tätigkeit zog.

Andreinas politische Schwerpunkte waren das Soziale, das Zusammenleben der Sprachgruppen, die Geschlechterfrage insbesondere. Es waren die Zeiten der ersten Beratungsstellen für Frauengesundheit (von Andreina miterobert), der Frauenhäuser, der Kollektive und Kundgebungen. „Ecco noi siamo qui per dare voce alle altre donne“, schrieb sie. Einander die Stimme verleihen oder diese verstärken, einander vertreten und füreinander eintreten – das sind nur einige der wichtigen Lehren, die wir aus Andreinas VorLeben ziehen können. Damit gibt sie auch uns eine Stimme.

donne per andreina open 2Dass wir ein wenig auch für sie oder in ihrem Sinne sprechen, das wär mein großer Wunsch.

Für Andreina (1.2.1936 – 30.7.1985)

 

 

 

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