Piante pioniere – Politik in Zeiten der Veränderung

Ausläufer

 

Discorso all’assemblea provinciale dei Verdi
12 marzo 2016

Liebe Grüne, care amiche verdi, cari amici!
Che momento stiamo vivendo, was für ein Moment der Veränderung!

 

Unser Kontinent verändert sich unwiderruflich. Und es passiert genau das, was bei allen großen gesellschaftlichen Revolutionen passiert ist: Es beginnt mit dem Leugnen. Gerade in dieser Woche habe ich den Film zu den Suffragetten gesehen, in einem Kino randvoll mit Frauen, und da war es ebenfalls zu sehen: die rabiate Abwehrhaltung eines Establishment angesichts einer Veränderung, die das Althergebrachte in Frage stellt, Machtansprüche neu definiert, den Spiegel vorhält.

Es ist ein quantitativ geführter Diskurs (wie viel Flüchtlinge verträgt Europa, das einzelne Gebiet? Welche ist die richtige Obergrenze?), der in Wirklichkeit die Auseinandersetzung über die qualitative Frage verdeckt (wie verändert sich unsere Gesellschaft? Wie können wir mögliche Spannungen so gering wie möglich halten?). Radikale Grundfragen würden sich stellen und sie tun weh.

Es sind die großen „Eigentlich“-Fragen

Was macht unsere Kultur eigentlich aus?
Was davon sollte in die Zukunft gerettet werden?
Wie macht man das eigentlich?
Gibt es das Konzept von Volk in Wirklichkeit?
Wenn ja, was macht es aus?
Wem gehört eigentlich Europa?
Wem gehört ein Kontinent?
Bis hin zu: Wer sind wir eigentlich?
Und wenn wir nach Südtirol herunterzoomen:
Warum haben wir Angst vor 1000 Flüchtlingen? 1 auf 250 EinwohnerInnen?

Und auch wenn es 6.000 wären, wie in Tirol: Was geht eigentlich vor in einem Land, das 6 Millionen Leute jedes Jahr bezahlterweise aufnimmt und sich nie hinterfragt, was das mit unserer Gesellschaft macht? (Am Rande gesagt und mit Zynismus, könnte man die Flüchtlinge, für die ja 28 Euro pro Tag vom Staat bezahlt wird, auch als eine Variante des Billigtourismus betrachten)

Sprachliche Notiz: Überwiegend wird “eigentlich” aber eigentlich als aussageloses Füllwort benutzt. Aber das mhd. “eigenlich” und Ausdrücke wie “das ist ihm eigen” beinhalten noch die Bedeutung “in Besitz haben”. Damit ist das “Eigentliche”, “das Wesen einer Sache”.

Es ist auch tragisch und zynisch, dass wir das gesamte Ausmaß der Flüchtlingsthematik so vom Ende her sehen, bewerten und nur für diese auch an (Pseudo-)Lösungen arbeiten.

Jahrhundertealt ist die europäische Kolonialpolitik und der imperialistische Geist, auf dessen Grundlage viele Länder für lange Zeiten eine verwirrte, verzerrte und unnatürliche Entwicklung in die Armut und Abhängigkeit getrieben hat. Jünger ist der wirtschaftliche Paternalismus durch Freihandelsabkommen und Investitionsschutzverträge, neu und alt zugleich ist der konsumistische Egoismus, der uns alle dazu treibt, in gelebter kognitiver Dissonanz an Ausbeutung und Ungleichheit täglich unser Scherflein beizutragen, wenn wir un-(v)erträglich billige Kleidung, billige Elektronik, billige Lebensmittel zu kaufen.

Die Welt wie ein Kondominium

Ich sehe die Welt wie ein Kondominium, in dem wir die luxuriöse Attiko-Wohnung haben. Nach und nach haben wir den Bewohnern des Untergeschosses den Strom abgedreht, deren Wasser genommen, die Heizung abgeschaltet, damit wir es wärmer haben in unserer Wohnung. Einzelne sind gekommen und die haben wir noch eingestellt, um die Putz- und Pflegearbeiten zu übernehmen, die uns lästig waren. Jetzt aber kommen sie alle die Treppe hoch. Sie haben Hunger, Durst, sie leiden unter denen, die in dieser prekären Situation im Untergeschoss die Führung übernommen haben und wo wilde Kämpfe herrschen. Sie stehen vor unserer Tür. Und was tun wir? Klar, wir kaufen uns eine Absperrung am oberen Ende der Treppe. Wir sichern unsere Wohnungstüren (Pius Leitner hat nicht umsonst genau diese Metapher gewählt). Wir sperren die Nottreppe und denken auch daran, den Aufzug außer Betrieb zu setzen. Schlimmstenfalls sprechen wir uns noch mit denen ab, die im vierten Stock wohnen und die uns bis jetzt zu minder waren, auch weil sie vielleicht selber ihre Angestellten als Sklaven halten…

Ich will nicht moralisieren, ich versuche zu beschreiben. Die Geschwindigkeit, mit der dies alles passiert, ist ein Problem, die kulturelle Diskrepanz ebenso, die Mischung aus „Menge“, Tempo und Diskrepanz macht das ganze so beängstigend und komplex, dass die einfachen rechten Verheißungen (Lösungen kann man das einfach nicht nennen), die echte Blauäugigkeit übrigens!, oft als das einzig Verständliche in dieser ganzen Debatte übrig bleibt. Das zeigen auch die bedrohlichen Anstiege der AfD, der NPD in Hessen oder der Freiheitlichen in Österreich.

Für uns Grüne ist das anders. Wir sind es gewohnt, in der Komplexität zu argumentieren und im Widerspruch zu geliebten gängigen und mundgerechten Formeln zu agieren. So ist es die Erwartung an uns, jetzt nicht zu zweifeln zu beginnen, sondern weiter, auch und gerade in der Flüchtlingsdebatte, den Weg zu weisen, nicht an der populistischen Kante einzuknicken, vorzudenken, Öffnung vorweg zu nehmen – ohne dabei die pragmatischen und realpolitischen Grenzen des Mach- und Gangbaren zu übersehen. Unsere Nachbarinnen im Norden machen uns das sehr gut vor, Landesrätin Christine Baur ist ein Fels in der Brandung und im Windschatten von Platters Vollbrüstigkeit leistet sie genau das, was man sich von einer Soziallandesrätin, die diesen Namen verdient, erwartet.

Übrigens haben wir uns gerade vorgestern am Brenner getroffen und wieder einmal festgestellt, wie sehr es uns ein Anliegen ist, den Diskurs von Anfang bis zum Ende durchzudenken und nicht nur bis an die jeweils nächste Grenze und den nächsten Zaun.

Wir haben uns auch auf eine Vorgehensweise geeinigt:

  1. Kein Zaun am Brenner!
  2. Es braucht Aufnahmezentren in ganz Italien – und Italien muss unterstützt werden, auch finanziell und auch von seitens Österreich!
  3. Von Best-Practice-Beispielen abschauen: Baden-Württemberg und Bayern haben sehr gute Arbeit in der schnellen Aufnahme geleistet.
  4. Am Modell der humanitären Korridore arbeiten.

Die Flüchtlinge zeigen uns einen der großen Paradigmenwechsel auf, die wir gerade durchschreiten.

La tematica dei profughi indica uno die grandi cambiamenti di paradigmi che stiamo attraversando.

Cambia anche la politica

Ce ne sono altri, come il vertiginoso arrotolarsi su sé stesso del sistema economico, il mondo della comunicazione che si velocizza e si virtualizza e che velocizza e virtualizza anche le nostre relazioni. Il sistema di valori che si individualizza. Vorrei affrontare, nella seconda parte del mio intervento, proprio perché oggi ci ritroviamo come partito dei Verdi, il cambiamento nella sfera della rappresentanza civica.

Da rappresentanti politici stiamo vivendo un momento molto difficile.

Riccardo racconta che quando lui è entrato in Consiglio Provinciale questo era un onore, si erano persone „onorate“. Dopo lo scandalo delle pensioni anche da noi si è affermata l’immagine scadente della politica e dei partiti.

La situazione dei partiti, dei gruppi consiliari, dei politici è tragica. Tra Monti che ha tolto ai consiglieri comunali le ore per prepararsi, Renzi che vuol togliere il personale dei gruppi consiliari, la Commissione parlamentare di vigilanza che ci vessa di continuo… iniziano a mancare anche le basi pratiche e minime necessarie per far politica. Inizia a mancare il fiato.

Sono stata alla scuola media di Egna poco fa per un progetto di orientamento professionale. Ho chiesto cosa sapevano dei politici. L‘unica cosa che sapevano era che i politici guadagnano un sacco di soldi.

Si avrà da parlare di questo nei prossimi tempi, e stiamo preparando una proposta politica in Consiglio proprio per far tornare la discussione sul VALORE della politica tra i nostri committenti: i cittadini e le cittadine.

Comunque per ora si percepisce un vero fossato, una spaccatura tra la politica e la cittadinanza.

Noi siamo un partito anomalo: abbiamo un partito e facciamo politica in un partito, senza avere però la forma mentis di un partito. (infatti solo da pochissimo io stessa, che sono la segretaria provinciale sudtirolese con piu anzianità di servizio, ho capito che tante cose negative che ci buttano addosso i giornali, la gente, quando interpreta le nostre azioni, non sono attribuibili a noi, ma vengono interpretati cosi perche ciamo considerati un partito!)

Invece agiamo in un sistema in cui gli schemi interpretativi sono quelli della politica. Allora si ragiona in termini di potere, di intrigo, di posti da occupare – ragionamenti a noi completamente (anche troppo!) estranei. Il fatto è che per persone come noi che si mettono in politica per cambiare il mondo, per migliorare le cose, per muovere e stimolare la trasformazione, per impegnarci per i nostri valori, ecco per tutto questo, vivere il fossato tra politica e cittadine, è doloroso. È assurdo. E io noto che fatichiamo perché non sappiamo da che parte stare. Eravamo giocolieri, pendolari tra i mondi, e ora il filo è interrotto, le rotaie sono spezzate.

La buona politica

Noi abbiamo bisogno di una buona politica e in questo momento vediamo che non si fa una buona politica. La politica, compito così nobile, è stanca. Autoreferenziale, vanitosa, manierata ripete le sue ritualità, spesso in una messinscena ripetitiva, con un suo slang che tutti odiano e con caratteri sempre meno consistenti e più labili.

Ormai basta poco. Per fare politica basta una sola cosa: non essere politici. Uno sguardo sulla scena attuale di BZ lo conferma. Con affanno i partiti cercano le persone „pulite“, quelle che non sono „come loro“. Aver fatto lavoro volontario in un partito non è più una qualifica, ma una macchia sulla biografia.

E così bisogna chiedersi a cosa servono più i partiti?

E soprattutto: a che serviamo noi Verdi? Sono sempre stata contraria al partito come mera macchina da campagne elettorali. Io il partito lo vedo, lo dico spesso, come uno scrigno, in cui vengono custoditi certi valori condivisi. Un luogo, dove vengono portate avanti le idee, anche se le persone passano. Una palestra dove imparare a far politica in uno spazio „protetto“. Un organismo che seleziona anche il personale della politica, nel senso piÙ nobile della parola. Un posto dove preparare le decisioni importanti per una comunità mettendo insieme i vari modi di ragionare all’interno di un gruppo che condivide die valori e un’idea di fondo.

Tutto questo rende i partiti qualcosa di prezioso. E le alternative non sono molto simpatiche: se la democrazia diretta e la partecipazione possono essere la controparte positiva e necessaria a un sistema fossilizzato (ma comunque non si può del tutto sostituire il sistema della rappresentanza con la democrazia diretta), dall’altra parte vedo solo l’autoritarismo del personaggio famoso o il paternalismo del ricco che può farsi conoscere.

Ecco quindi che ci tocca fare una riflessione profonda su quello che un partito, il nostro partito deve essere in questa società che cambia. Sento la forte necessità di colmare quel fossato di cui parlavo prima e sento che dobbiamo essere noi Verdi i primi a fare questa riflessione. La immagino come una sorta di Politische Organisationsentwicklung, di cui vi parleremo dopo, quando facciamo la proposta su come gestire i prossimi mesi.

Solve et coagula, war eine alte Formel innerhalb der Grünen Bewegung, eine Losung unseres Gründervaters Alexander Langer. Für mich hatte das immer schon etwas Rastloses, nicht Nachhaltiges. Ich möchte unsere Grüne Partei nicht aufgeben, um sie in neuer Form wieder auferstehen zu lassen. Aber wir können nicht umhin, über unsere Rolle in einer sich so schnell wandelnden Gesellschaft zu analysieren – und wir sind ja auch schon auf dem Weg. Unsere verdECOnomia hat den Prozess der Gemeinwohlbilanz angeleiert, mit dem wir schon sanft gezwungen wurden, uns auf unsere innere und äußere Nachhaltigkeit zu prüfen.

Achtung! Es geht nicht darum, parteiinterne Nabelschau zu machen. Es geht darum, Modelle für eine GUTE Politik zu machen. Wir hatten in unserem Wahlslogan 2013 die Worte der „GESUNDEN POLITIK“ drin. Ich habe mich in diesen Jahren oft gefragt, was das ist – denn gesund ist im politischen Betrieb rein gar nichts. Die Parteien eine Art Reißwolf, die Institutionen eine reine Inszenierung, die Macht eine ungeteilte, die Zeiten menschenfeindlich, die Kommunikation vertikal…

Es geht also um einen Methodenwandel, um eine Prozesserneuerung. Wir haben da ja schon einiges vorgemacht (Konvent, Gesetz zur direkten Demokratie), nirgendwo können wir unser grünes Pionierswesen besser ausleben als in der wahren Veränderung und das sind immer die Prozesse. Auch inhaltlich waren wir den anderen meist weit voraus, von der Energiewende über Bio bis zum Car-Sharing – nicht umsonst stehen heute grüne Punkte in jedem Parteiprogramm. Daneben waren wir aber auch die ersten, die Vorwahlen gemacht haben, die ersten, die Parteitage als World Cafe abhielten (immer belächelt, natürlich), die ersten, die den Co-Vorsitz eingeführt haben, die ersten, die sich mit einer Bürgerliste verpuzzelt haben… das sind lauter Beispiele für Pioniersprozesse.

Pionier ist ein Wort, das aus dem Französischen gebildet wurde, und es heißt vermutlich ursprünglich „Fußsoldat“ – jene, die voraus gingen, waren also nicht die großen Feldherren, sondern Fußsoldaten, die neue Wege erkundeten, neue Gebiete erschlossen. Das zeigt uns den Weg, und es bestätigt, was ich immer schon dachte, nämlich, dass das Neue nicht von Oben kommt, sondern von unten (auch bei der Geburt…).

Aber ich möchte nicht mit dem Bild des Soldaten schließen, sondern mit dem der Pionierspflanze, die liegt uns wohl eher. Pionierpflanze, das ist eine Lebensform, die (weitgehend) unbelebtes Gebiet meist unter extremen Bedingungen besiedelt.

Wenn wir im Lexikon der Biologie nachlesen, wer die Pionierspflanzen sind, dann scheint das eine Beschreibung von uns Grünen, beeindruckend:

Lexikon der Biologie

Pionierpflanzen, Erstbesiedler vegetationsfreier Flächen, z.B. Schutthalden im Gebirge oder künstliche Aufschüttungen (Minenabraum, Rekultivierungen).

Auf Felsen handelt es sich um Flechten, Moose und Kräuter, denen wenig anspruchsvolle Holzgewächse folgen. Die Pionierpflanzen tragen zur Bodenbildung (Bodenentwicklung) bei und werden später meist durch anspruchsvollere Gewächse verdrängt, deren Vorkommen jedoch nur durch die vorherige Existenz der Pionierpflanzen ermöglicht wird.

Die Pionierpflanzen weisen spezielle Anpassungen an die unwirtlichen Standortbedingungen auf: zahlreiche, über lange Zeit keimungsfähige Diasporen (Samen) mit guter Ausbreitungsfähigkeit, Bildung von Ausläufern sowie gute Regenerationsfähigkeit der Pflanzen nach mechanischer Schädigung.

 

Auf letzteres wollen wir nun unsere Hoffnung legen. Nicht auf die mechanische Schädigung, sondern auf die gute Regenerationsfähigkeit, natürlich!

In diesem Sinne (damit schließt man im Landtag immer die Reden!) glaube ich an eine gute grüne Zukunft – wenn wir es schaffen, die Samen rechtzeitig zu säen, die Ausläufer rechtzeitig zu verwurzeln. Ich vertraue auf die Pionierspflanzen.

Vielen Dank. Grazie.

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