Sauna & Sexismus

Foto Bri Sauna

In dieser Woche haben wir im Südtiroler Landtag über die Verlängerung der Öffnungszeiten in der Damensauna debattiert. Ich hatte einen entsprechenden Antrag (auf den Wunsch von Bürgerinnen hin) eingebracht. Die Diskussion war grenzwertig – es ging um Frauen, um Körperlichkeit, um Nacktheit. Man unterstellte, dass ich Männer als Gaffer generalisieren wolle, man vermutete, dass Frauen sich grundsätzlich beglotzt fühlen, es hieß, dass man in der Sauna das Beschaue in Kauf nehmen müsse, und überhaupt, Frauen schauen ja auch etc. etc.

Mitten in der allgemeinen Sexismusdebatte in Europa hat Südtirol, unbewusst und unterschwellig, einen kleinen Sexismushype gelebt.

Denn das Thema landete auf diversen Titelseiten, stets versehen mit nackten oder halbnackten Frauen. Es fehlten nicht Fotomontagen von Landtagsabgeordneten in der Sauna. Die Kommentare und die Bemerkungen im Netz und aber auch in Bars und auf der Straße waren vernichtend.

Sie zeigten auf zweierlei Ebenen auf, wie tief die Verachtung gegenüber Frauen und Frauenthemen greift. Da lesen wir einmal die üblichen Bosheiten gegenüber Frauen, auch gegenüber der Einbringerin des Antrages: „Mit der will ja eh niemand in die Sauna“, „Die schaut ja eh niemand an“, „Foppa braucht keine Angst zu haben: hässliche Frauen werden in Ruhe gelassen“… etc.

Auf einer tieferen Ebene findet die Abwertung des Themas statt. Der Südtiroler Landtag, der sich in der Vergangenheit schon mit Themen befasst hat wie die Ablehnung der Sommerzeit für Südtirol oder neutrale T-Shirts für Südtiroler Sportler, ohne dass es größere Proteste gegeben hätte, wird als Institution ins Lächerliche gezogen, weil er über die Abendöffnung der Sauna für Frauen diskutiert hat. Und die Grünen, die haben wohl auch keine anderen Themen mehr, hieß es gleich mit (auch wenn wir in der selben Session Anträge über Transparenz der Landesregierung, Landebahn des Flughafens und Nachvollziehbarkeit der Fleischherkunft brachten und die Debatten über Europa- und Gemeindengesetz maßgeblich mitbestimmten).

Die allgemeine Empörung, so mag man vordergründig meinen, hat mit Frauen nichts zu tun. Man ärgerte sich über die „Überflüssigkeit“ des Themas. Das wird zwar schon von der mangelnden Entrüstung über andere Anträge wie die oben genannten widerlegt, aber wir können auch an einem Vergleich den Test machen:

Wie hätte die Südtiroler Öffentlichkeit reagiert, wenn der Vorschlag gewesen wäre, etwa die Turnhallen abends für Rugbytraining offen zu halten?

Ich nehme an, man hätte gesagt, naja, eben ein Nischenthema. Aber Sport ist ja wichtig und da braucht es entsprechende Räume.

Genau darum ging es in der Damensauna. Um Räume für Frauen, von denen einige, gerade wenn sie nackt sind, auch einmal gerne unter sich sind – und darum, diese Räume in den Abendstunden offen zu halten, da Frauen heutzutage tagsüber gleich wie Männer in der Arbeit sind.

Mein Kollege Hans Heiss sprach von einem Lehrstück, wie ein vernünftiges Thema sexistisch verbraten werden kann. Genauso ist es.

Allerdings fürchte ich, dass am Ende wieder wir Frauen die Lehren ziehen werden. Nämlich, dass es besser ist still zu sein und die Körperlichkeit und das Sprechen darüber in den privaten Raum zurück zu verbannen.

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