Wer pflegt – Nachlese zur EOS-Tagung am 24.05.2018 („Ist die Pflege weiblich?“)

BrieftascheFrauen putzen, Männer manchmal auch. (33 % der Südtiroler Männer macht keine Hausarbeit, 45% macht sie selten)

Frauen erziehen, Männer manchmal auch. (8 von 10 Arbeiten, die mit der Kinderbetreuung zu tun haben, werden in Südtirol von den Müttern erledigt)

Frauen pflegen, Männer manchmal auch. (84,2% der Pflegenden zu Hause sind in Südtirol Frauen)

Ein Thema, das uns immer öfter beschäftigen wird. Denn der ungeschriebene Gesellschaftsvertrag, der die genannte „Arbeitsteilung“ festlegt, kommt zunehmend ins Wanken.

Weil Männer zunehmend Interesse daran haben, Zeit für ihre Kinder zu haben und dies als Gewinn für die eigene Lebensgestaltung sehen.
Weil Frauen zunehmend ihre Rechte einfordern.
Weil Männer und Frauen einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen, und somit neue Wege echter Arbeitsteilung gefunden werden müssen.

Wo sich die gesellschaftlichen Innovationen noch sehr zurückhalten, ist allerdings der Bereich der Pflege. Pflege, vor allem der älteren Familienmitglieder, ist fest in Frauenhand. Nur selten selbst gewählt, sondern wie selbstverständlich aufgebürdet, lastet die Pflege und Betreuung auf Frauen, oft in mittleren Jahren. Frauen, die vielleicht gerade erst ins Erwerbsleben zurückgekehrt sind und die sich ihre erst schon mageren Rentenaussichten durch lange Pflegezeiten weiter verbauen. Oder aber sie leisten die Pflegeschichten neben ihrer Erwerbs- und Familienarbeit – burnout- und erschöpfungsgefährdet wie kaum andere gesellschaftliche Gruppen.

Es wird sich etwas ändern müssen. Denn die Belastungen ungleich verteilen heißt auf lange Sicht Gleichgewichtsverlust und Notwendigkeit von Schadensbegrenzungen. Von manchmal tragischer Komik ist es, dass die Pflegearbeit der Frauen auch noch wenig geschätzt wird. Das Klischee, demnach die Gelegenheitsbesuche der Söhne einen höheren Stellenwert darstellen als die Daueraufopferung der Töchter, hat wohl einen Kern der Wahrheit.

Ein Erlebnis kann ich hierzu beisteuern. Als meine Mutter schon schwer demenzkrank war, musste sie wegen einer Operation ins Krankenhaus. Nach der Narkose war sie ungeheuer aufgekratzt und es war unmöglich, sie am Abend zum Einschlafen zu bringen. Wir Töchter wurden vom Krankenhaus angerufen und darum gebeten, sie in der Nacht zu betreuen, da das Personal dazu nicht imstande war. Ich habe die ganze Nacht mit ihr im Gitterbett verbracht, um sie am Ausbüchsen zu hindern. Immer wieder wollte sie die Gitterbarriere überwinden und ich musste sie mit aller Kraft festhalten. Körperlich und nervlich völlig am Ende verließ ich am Morgen das Krankenhaus, um zur Arbeit zu gehen. Mein älterer Bruder kam und löste mich ab. Später erzählte er mir, dass er die Mama gefragt habe, wie es ihr ging. Gut, meinte sie, sie würde nun gern nach Hause gehen. Sie habe eine gute Nacht verbracht. Er fragte sie, ob jemand bei ihr gewesen sei. „Ja“, antwortete sie freudig, „dein Bruder ist netterweise die ganze Nacht bei mir geblieben!“

So viel zum Wert der pflegenden Töchter. Ja, es wird sich etwas ändern müssen. Vielleicht können wir damit beginnen, die Pflegezeiten anzuerkennen, monetär und mit besseren Absicherungen für die pflegenden Familienmitglieder. Aber es geht auch um öffentliche Anerkennung einer immensen Leistung, die allzu oft im Verborgenen und Verdrängten erfolgt.

Dabei können wir genau an diesen Bereichen etwas Wesentliches ablesen – nämlich welcher Wert in einer Gemeinschaft der Würde und der Menschlichkeit beigemessen wird.

Annunci

Rispondi

Inserisci i tuoi dati qui sotto o clicca su un'icona per effettuare l'accesso:

Logo WordPress.com

Stai commentando usando il tuo account WordPress.com. Chiudi sessione /  Modifica )

Google+ photo

Stai commentando usando il tuo account Google+. Chiudi sessione /  Modifica )

Foto Twitter

Stai commentando usando il tuo account Twitter. Chiudi sessione /  Modifica )

Foto di Facebook

Stai commentando usando il tuo account Facebook. Chiudi sessione /  Modifica )

w

Connessione a %s...