Die neue Rechte, der ländliche Raum und wir Grünen

Grüne BW ländlicher raumBei der 2. Transnationalen Alpentagung wurde kürzlich das Thema der Rechtsparteien und deren Vor- bzw. Durchmarsch in den Landgemeinden diskutiert. Gegenstand der Debatte waren u.a. die Bundespräsidentschaftswahlen in Österreich, wo bei der ersten Wahl in den Gemeinden unter 3.000 EW Norbert Hofer teils 80% der Stimmen erringen hatte können. Dahingegen hat Van der Bellen bekanntlich durch die urbane Wählerschaft die Wahl für sich entschieden. Aber auch in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich etc. etablieren sich weiterhin Rechtsparteien, die insbesondere im ländlichen Raum gewählt werden. Spezifisch für Frankreich ergaben Studien, dass Marine Le Pen hauptsächlich dort gewählt wurde, wo der Raum am meisten parzellisiert ist, also in periurbanen Gegenden, in denen sich das Gemeinschaftsgefüge großteils aufgelöst hat.

Damit ist die große Angst vor Vereinsamung und Abgrenzung die Kehrseite der Indiviualisierung, und auch sie führt nach Rechts.

Die Überlegungen sind für uns in Südtirol wichtig, weil wir uns ja fast gänzlich (mit Ausnahme Bozens, das nicht umsonst vielfach als „Fremdkörper“ in Südtirol empfunden wird) als ländlichen Raum wahrnehmen – wenn das auch nur teileweise stimmt, so ist die kollektive Wahrnehmung doch sehr von Südtirol als ländlichem Raum dominiert.

Rechtspopulisten haben laut der Publizistin Liane Bednarz zwei wesentliche Merkmale: Erstens das Auftreten durch markige Sprüche und Vereinfachung und zweitens durch den moralischen Alleinvertretungsanspruch („nur wir vertreten das echte Volk“) und Verachtung gegenüber den anderen Parteien.

Die neue Rechte fußt auf Ethno-Pluralismus: In Abgrenzung von den Rechtsextremen, die verfassungsfeindlich auftreten und völkische Überlegenheit in den Mittelpunkt stellen, sagen die neuen Rechten, dass prinzipiell alle Kulturen gleichwertig sind. Abgelehnt wird aber die „Mischung“ der Kulturen, das „Multikulti“, die „Überfremdung“. Der Aufbau von Angst vor diesen Trends angesichts von Flucht und Migration funktioniert besonders gut in jenen Gegenden, in denen es kaum echten und direkten Kontakt mit „dem Fremden“ gibt. Dort ist man für die rechten Botschaften besonders empfänglich, und gerade das wird von den Rechtspopulisten genutzt.

Daneben arbeiten Rechtspopulisten noch mit einem weiteren Feindbild, nämlich „den Eliten“. Hofer betonte Van der Bellens Verortung „in der Schickeria“ bei jeder Gelegenheit. Denselben Diskurs führt in Italien sehr erfolgreich die 5*Bewegung. Aber auch in Südtirol gibt es immer wieder Abgrenzungsversuche vom „politischen Establishment“, von „den Parteien“ seitens einzelner PolitikerInnen oder politischen Bewegungen, die in diesem Sinne antielitär auftreten – bis sie selber der Identifikation mit dem System erliegen. Chi di moralismo ferisce, spesso di moralismo perisce.

Eine Überlegung für uns Grüne muss sein, dass gar einige klassische „grüne“ Themen von den Rechten übernommen werden: Naturschutz, Schutz der Heimat, Tierschutz sind etwa jene Inhalte, die einst von der konservativeren Flanke innerhalb der Grünen besetzt wurden, und zum Teil jetzt von Rechtsparteien vertreten werden. Und mit den Themen sind auch ehemalige Grün-WählerInnen abgewandert. Andererseits vertragen es die Rechtspopulisten gar nicht, wenn Linke in ihre Gefilde eindringen. Als etwa Van der Bellen vor der Wiederholung der Wahl offensiv das Heimat-Thema spielte, goutierte das sein Gegner ganz und gar nicht.

Schließlich nutzen Rechtspopulisten ein weiteres, historisch vorverdautes Feindbild: die „Stadt“. Wie zu den übelsten Zeiten des vorigen Jahrhunderts wird die Stadt heute wieder gern als Gomorrha gelesen, als Ort der Verwirrung und der Vermischung, als Stätte der Entheimatung und Entwurzelung, wo das Fremde eindringt und Identität verloren geht. Gegenüber der kaleidoskopischen und komplexen Wirklichkeit der urbanen Gesellschaft kann die „Einfachheit“ und „Sicherheit“ des ländlichen Raums gespielt werden… samt der Notwendigkeit, ihn vor dem Eindringen des „Fremden“ zu schützen. Dafür nun wiederum bieten sich Rechtspopulisten geradezu an und dass sie auf dem Land, in den Tälern Gehör finden, beweist ihre Verwurzelung und Vertretung in den kleineren Ortschaften.

Da haben wir Grüne einen Weg vor uns. Mit Natur- und Heimatschutzthemen und unserem ehrlichen Engagement können wir weit über die Städte hinaus punkten. Und die Zuschreibung von exklusiver Urbanität und Elitenvertretung bleibt eine Falle, in die wir nicht tappen dürfen, auch wenn wir in den Städten vielleicht unmittelbarer verstanden werden.

Es ist eigentlich eine schöne Aufgabe. Schließlich ist das radikal Andere an uns Grünen genau der Ansatz, immer wieder Gegensätze in Verbindung zu bringen. So sollten wir vermehrt kommunizieren, wem wir Heimat bieten können: den naturliebenden DorbewohnerInnen ebenso wie den aufmerksamen StädterInnen (und umgekehrt).

Offenes Denken hält schließlich nicht vor dem Ortsschild statt.

 

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Una Politica della Buona Vita. Eine Politik des Guten Lebens. Discorso alla Landesversammlung, BZ, 27.05.2017

TrommelnBuon giorno!

Die Grundfrage: Worum hat es zu gehen?

Di che cosa dobbiamo occuparci (e di che cosa dobbiamo pre-occuparci)? Vorrei mettere al centro delle nostre riflessioni di oggi il concetto della Buona Vita, das Gute Leben, il Buen vivir. Sembra una banalità (non dobbiamo mirare tutti alla buona vita? Che c’entra la politica?) invece potrebbe, dovrebbe forse essere sempre maggiormente essere il nostro Leitfaden, il filo verde per quello che facciamo. Il Buen vivir si è sviluppato all’interno delle popolazioni indigeni ed è la summa summarum della loro saggezza. In un momento in cui il nostro sapere di „occidentali“ sta giungendo decisamente ai suoi limiti magari è il caso di rivolgerci ad altre saggezze, a quelle delle donne, ad esempio, dei poveri,dei popoli sottomessi…

Tre pilastri ha il Buen vivir:

  1. Vivere il legame con la natura
  2. La comunità
  3. La fiducia.

Natur, Gemeinschaft, Vertrauen – das ist das Dreieck des Guten Lebens laut den indigenen Völkern Südamerikas und es wird von ihnen auch im Politischen, insbesondere im Politischen gelebt, bzw. als lebbar angesehen.

Nein, es geht nicht um Fein sein, beinander bleiben, um Kuschelprogramme, Schönwetterreden oder leichtfertige Gutmütigkeiten, sondern um eine klare politische Ansage, die zum jetzigen Zeitpunkt mehr denn je gebraucht wird.

Wenn Verbundenheit mit der Natur als Ziel der Südtiroler Politik stünde, gäbe es ein anderes Raumordnungsgesetz als jenes, durch das wir uns derzeit in der frustrierten Analyse quälen.

Es gäbe keinem Widerstand gegen unsere Gesetzesinitiativen gegen Pestizide oder Herbizide, die Beibehaltung der Wintersperre am Würzjoch wäre ebenso logisch wie die Einschränkung des Flugverkehrs über dem Unterland und dem Bozner Talkessel.

Konventionelle Landwirtschaft wäre jene, die seit Jahrhunderten Menschen auf dem ganzen Planeten ernährt, Tierfabriken wären undenkbar, dafür müsste man über die Förderung von Gärten nicht müde lächeln oder sich gar aufregen.

Klimaschutz wäre nicht nur das Anliegen von ein paar Spinnern, die gegen Großkonzerne aufbegehren, sondern wäre erste und oberste Priorität, um unseren zerbrechlichen Planeten noch halbwegs gesund an die nächsten Generationen zu übergeben.

Come vedete in questi pochi esempi, questo fil rouge ci può guidare a tutti i livelli, dal lavoro della singola consigliera di circoscrizione fino alle trattative internazionali.

Certo, una bella sfida, significa una svolta radicale, passare dall’antropocentrismo al biocentrismo, considerare i diritti della natura pari ai diritti di noialtre.

Übrigens habe ich mir zum sichtbaren Zeichen der Verbundenheit mit der Natur angewöhnt, immer eine Blume oder eine lebende Pflanze im Blickfeld zu haben. Und manchmal denke ich, dass das mehr Veränderung in den Landtag bringt als viele Beschlussanträge…

Und auch wenn wir in der pragmatischen Sachpolitik, die wir auf allen Ebenen betreiben, stets auch kleine Schritte in die richtige Richtung würdigen, so darf uns das Ziel vor Augen nicht verloren gehen.

Und das ist jenes einer radikalen Wende.

Einer radikalen Wende in der Umweltpolitik, der Verteilung, der demokratischen Vertretung – vor allem aber auch eine Denkwende.

Denn das Schöne unserer grünen Politik (lo dico in ogni discorso, scusate) ist genau das. Dass wir immer bei uns selbst anfangen können. Während andere „auf die da oben“ schimpfen und zugleich weidlich deren Spiel mitspielen, ist uns Grünen seit jeher das Privileg bewusst, dass das Welt-verändern nicht in der großen Politik beginnt, sondern bei unserem Essen, unserer Kleidung, unserem Verkehrsmittel, unserem Konsumverhalten.

È purtroppo anche questo che ci rende antipatici, moralisti, fondamentalisti se sei coerente e slavato quando non sei fondamentalista. Insomma, il cruccio di essere verdi lo conosciamo e non voglio dilungarmi. Il mio discorso ci vuole motivare, renderci orgogliosi di noi e farci venire voglia di andare avanti e di crescere.

Ce n’è, ce n’è, da essere orgogliosi. Poi tirerò anche le somme del percorso fatto in questi anni, ma vorrei soffermarmi un attimo ancora sulla Buona Vita.

Perché il secondo pilastro è quello della Comunità.

Per una buona vita è fondamentale poter vivere bene il nostro essere esseri-sociali.

Se pensate che l’umanità si è sviluppata (non come si pensava un tempo, dopo aver imparato ad usare gli utensili) per la comunicazione e la socialità, allora forse dobbiamo fare il punto della situazione sulle evoluzioni recenti.

Mi riferisco da un lato all’aspetto individuale e al rischio di perdere competenze in un mondo che relega la comunicazione a un livello digitale (e ringrazio il gruppo DIGITAL SUSTAINIBILITY che si è formato da poco nei Verdi e che si occupa proprio di queste tematiche) e che all’insegna di indipendenza crea persone sempre più sole (pensate che stiamo perdendo anche competenze banali come chiedere a qualcuno di farci una foto o di spiegarci la strada…).

Auf der anderen Seite aber beziehe ich mich auf das Gesamtgesellschaftliche und sage es ganz deutlich:

Eine Gesellschaft kann niemals ein Gutes Leben bieten, wenn sie ausschließt. Una società non può offrire una buona vita se esclude.

Se esclude dalla ricchezza, dal benessere, dall’eguaglianza dei diritti.

Für uns ist es logisch und es langweilt auch, immer das Gleiche zu wiederholen: Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit müssen Hand in Hand gehen. Non siamo per una politica ecologista fine a sé stessa.

Non esiste, se non è solidale.

Mi sono praltro convinta, osservando i Verdi di tutta Europa, che attualmente il più grande impegno, specie dei e delle giovani Verdi, non punta principalmente sull’ambiente, il nostro tradizionale „core business“, ma che il vero Herzblut, il maggiore movimento nel senso di Bewegung lo si trova nell’ambito della politica della migrazione.

Sono giunta alla conclusione che infatti attualmente la forza più dirompente dei Verdi sia in ambito sociale,proprio nelle politiche dell’integrazione. La paragono alle tematiche ambientali nei primi anni dei Verdi.

Das große gesellschaftliche Innovationspotenzial der ersten Grünen lag in der Umweltpolitik und im alternativen Auftritt. Sie haben damals sehr angeeckt, wurden verlacht, an den Rand gedrängt – und dabei haben sie aber auch Erneuerung und Entwicklung geschaffen. Heute ist Umweltpolitik Teil des Establishment und gilt als politischer Mainstream.

Und wieder sind wir Grünen es, die in der größten gesellschaftlichen Herausforderung dieser Zeit – eben der Migrationsfrage – voran gehen, den Kopf hinhalten, auf Entwicklung pochen, sie politisch einfordern und menschlich vorleben. Wieder werden wir verlacht und als Naivlinge marginalisiert.

Vielleicht kann uns aber auch dieses Bewusstsein, dass wir nicht weltfremd sind, sondern nur der Zeit voraus, stützen und stärken.

Ich plädiere daher insistent für ökosoziale Politik, mehr denn je, più convinta che mai.

Ja, man das Thema der sozialen Gerechtigkeit ganz schön ausklammern. Wir sehen das bei manchem politischen Mitbewerber im Landtag, der immer dann aus dem Saal geht, wenn es um brenzlige soziale Themen geht.

Wir sind dann als Gutmenschen allein auf weiter Flur, manchmal trotzig, manchmal frustriert und abgekanzelt, meistens aber mit dem sicheren Gewissen, dass wir genau das Richtige sagen, auch wenn es weh tut.

Wir fühlen uns dabei ehrlicher und konsequenter als jene, die HabtAcht stehen, wenn der Bischof kommt und die wehrhaft das Kreuz als Zeichen unserer „christlichen Wurzeln“ verteidigen und dann aufrufen zum Abschieben, zum Isolieren, zum Ausgrenzen, zum Unterscheiden zwischen jenen, die sich den Wohlstand verdienen und anderen, die ausgeschlossen sein sollen. Die jährlich im November schreien, dass die Martinsprozession gefährdet ist – und dann fordern, dass den Obdachlosen am Magnago-Platz die Decken weggenommen werden.

Si, fa male, pensare alla povertà, anzi all’impoverimento.

Disturba, pensare alle disuguaglianze.

Ciò nonostante credo che in questo ci sia anche la più forte richiesta sociale (appunto) verso di noi. In mancanza di una vera forza socialdemocratica in Südtirol-Alto Adige, noi occupiamo questo spazio politico – e credo che negli appuntamenti elettorali dei prossimi tempi`sarà proprio su questo che bisognerà alzare la voce. (grazie al gruppo social&green, alle donne verdi e a VerdECOnomia che stanno ponendo le basi da tempo per una riflessione approfondita e consapevole di questi argomenti).

Kommen wir noch zum Vertrauen, der dritten Säule des Buen Vivir, la fiducia. Ich möchte hierzu einen Blick auf die Politik im engeren Sinne werfen, auf die Demokratie – auf sie hatten wir auch in unserer Wahlkampagne 2013 zusammen mit der Umwelt den Schwerpunkt gesetzt – nicht zuletzt nach der allseits gewürdigten Arbeit von Riccardo und Hans in Sachen SEL und im Hinblick auf die Ankündigungen der neuen SVP-Spitze auf Erneuerung und Erweiterung der demokratischen Mitgestaltung im Lande. Wir werden dazu noch ausgiebig Stellung nehmen, in den kommenden Monaten.

Im Moment möchte ich ein wenig die allgemeinere Entwicklung beschreiben und unserer Rolle darin nachspüren.

Zwei Momente der letzten Tage und Wochen haben mir sehr zu denken gegeben. Einmal die Rede von Emmanuel Macron nach seinem Sieg im ersten Wahlgang. Wie wir alle war ich natürlich froh, dass Le Pen nicht gewonnen hatte. Aber die Inhaltsleere seiner Rede machte mich betroffen. Es ging um ihn. Um das Vertrauen, das man in ihn zu setzen hatte, um seine Redlichkeit, seine Unabhängigkeit von Parteien und politischen Interessensgruppen. Ähnliches erleben wir in Österreich von Sebastian Kurz und nicht viel Anderes ist im Südtiroler Landtagswahlkampf zu erwarten. Pare che i partiti come scrigni dei valori o come piattaforme di confronto non servano più, anzi, siano di impiccio. L’alternativa è la proiezione di tutte le aspettative su un’unica persona, spesso anzi su un unico uomo. In genere, se è furbo, non si scopre mai del tutto, si tiene molte vie aperte. Così può piacere a tutti e al contrario di tutti.

Es ist die Ära der Publikumslieblinge angebrochen, und jene der Beliebigkeiten. Die Zeiten von kantigen PolitikerInnen, die auch einmal aneckten, provozierten, neue Straßen eröffneten, auf die Nerven gingen, scheint ebenso vorbei wie jene der Parteien oder Bewegungen als Identifikationspoole. Die Halbwertszeit von PolitikerInnen hat sich ungemein verkürzt. Expertise, kollektive Entscheidungsfindung, generationelle Weitergabe von Werten, das alles scheint passé. Der Tanz der Eitelkeiten, la sfida dei narcisi ist grässlich anzusehen. Mich besorgt diese Entwicklung und ich kann euch nicht sagen, wie stolz ich darauf bin, einer Bewegung anzugehören, die sich weiterhin, bei aller nötigen Modernität im Auftritt (übrigens haben wir auch endlich ein neues Corporate Design und im Herbst wird es auch eine neue Homepage geben), dieser Entwicklung verweigert. Wie sehr freut es mich, dass in Österreich im angehenden Ego-Match bei unseren grünen FreundInnen zwei Frauen vorne stehen, die die Sachpolitik noch nicht verlernt haben und mit Energie und Kompetenz den eitlen Tröpfen zu Leibe rücken werden. (Alles Gute, Ingrid und Ulli!!)

Io credo, spero, che ci sia ancora spazio in politica, per una politica sana e non narcisistica. Lo schema del narcisismo prevede che ci si esalti nell’abbassare l’altro. In genere nelle assemblee dei partiti gli applausi più grossi arrivano quando si parla male dell’avversario. È facile. Crea spirito di appartenenza. Esalta i propri pregi, più spesso copre le proprie mancanze. Non è un meccanismo sano per la politica. Da un lato affascina il pubblico, dall’altro crea disprezzo verso la politica (tanto, quelli sanno solo litigare). Fa parte della politica sana, ecologica invece essere corretti. Siamo per la non-violenza? Allora pratichiamola anche in politica. Tra Vaffanculismo e Qualunquismo c’è spazio. Lo spazio per noi, la nostra buona politica verde, costruttiva, critica e propositiva.

Die kleine, selbstbezogene Frage also, Wie wollen wir sein? verschmilzt mit der großen Frage: Wie verändern wir Welt? (denken wir an den alten Berliner Grünen Hans Christian Ströbele, der auf die Frage, warum er mit Mitte 70 noch einmal kandidiere, geantwortet hat: Weil es mit der Weltrevolution noch nicht ganz geklappt hat…)

Wir wissen: Nicht durch Schweigen, Wegschauen, sich Wegducken. Ganz sicher auch nicht durch narzisstische Selbstdarstellung. Leider auch nicht durch Selbstausbeutung, die dem guten Leben ebenfalls zutiefst widerspricht und die bei uns Grünen schon fast in den Genen liegt (die zweite Episode dieser Tage, die mich sehr berührt hat, war der Rücktritt von Eva Glawischnig, die es offensichtlich nicht mehr derpackt hat und kurz vor dem Abgrund den Absprung geschafft hat).

Nur eine kollektive Leistung kann dies alles verhindern. Siamo state, con le Donne verdi, a un Workshop di percussioni, l’altra sera. Non era solo bello e divertente, trovare il ritmo insieme, e fare, per una volta, qualcosa di „fisico“, era anche un’esperienza di conoscenza. Se si battono i tamburi insieme, anche se per una volta perdi il ritmo, lo ritrovi, perché le altre lo portano avanti. Se sbagli ti riprendi subito, perché le altre di ripigliano. È stata una lezione di bella politica, la nostra serata trag li strumenti musicali. Abbiamo visto anche che ci sono molti modi per amplificare i suoni, modi che l’umanità ha sviluppato nei millenni, prendendo pezzi di natura, di piante, di animali, usandoli per far sentire la propria presenza. Per avvertire dai pericoli, mandando suoni attraverso il paesaggio, per le colline. Per gustare la bellezza dei suoni. E per farla risuonare insieme.

Questo è credo,il nostro compito nel mondo. Das ist unsere Aufgabe in der Welt. In den letzten Jahren haben wir sie erfolgreich wahrgenommen. Auch wenn unser Selbstbild immer sehr kritisch ist und unsere Unzulänglichkeiten in den Mittelpunkt stellt, so sollten wir manchmal auch auf unsere Erfolge schauen.

Seit 2008 haben wir uns bei den Landtagswahlen um 50 % gesteigert, wir haben einen Parlamentarier nach Rom entsandt, was kein Wunder war, sondern auch gewiefte Strategieentscheidung. Beinahe hätten wir es mit Oktavia Brugger wieder ins Europaparlament geschafft. Wir stellen in Bozen die Stadträtin (e a volte, seguendo le politiche di BZ sui media, sembra anche che sia l’unica assessora della città…), in Meran zusammen mit der Liste Rösch den Bürgermeister. Wir sind in diesem Sinne die zweite Regierungskraft im Lande.

Possiamo essere quindi anche orgogliosi, ogni tanto. Tutto questo lo abbiamo raggiunto sempre riunendo le forze, scegliendo le streategie più intelligenti e soprattutto credendo in quello che facciamo e credendo in quello che vogliamo raggiungere.

Un mondo migliore, una buona vita per tutte noi. E per i compagni e le compagne nella natura e per il pianeta che ci ospita.

C’è bisogno di noi. Es braucht uns.

Danke. Grazie.

In Gott’s Namen – kleine Auswahl der Beschimpfungen

grunes-arschloch-screenIn der Folge einige der Online- und insbesondere Facebook-Kommentare, die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Die Frage, wie es einer im Shitstorm geht, verschwindet hinter den Zweifeln, wie man grundsätzlich mit Häme, Beschimpfung, Ächtung umgehen soll. Man solle nicht zimperlich sein, wurde geschrieben, das müsse man als Politikerin aushalten, es gebe ja gutes Gehalt dafür. Ich bin zum Schluss gekommen: Ja, aushalten kann man es wohl. Trotzdem habe ich einige der Aussagen zur Anzeige gebracht. Es gehört zu Zivilcourage, die Dinge nicht schweigend hinzunehmen, sondern etwas dagegen zu tun. Wenn ich auch nur eine einzige Person vor ähnlichen Aussagen bewahren würde, hätte es sich schon gelohnt.
Laura Boldrini, eine der meistbeschimpftesten Frauen Italiens, veröffentlicht die Kommentare, die sie betreffen. Ich habe dies nun auch beschlossen.
Hier also eine kleine Auswahl der Kommentare, die (im Namen der Verteidigung des Kreuzes, wohlgemerkt!)  in den letzten Tagen im Netz zu finden waren:

Brennessel: Ach Fopperin, was gedenken sie an Stelle des Kruzifixes an die wand zu hängen, vielleicht einen Penisköcher?

Carlo Roncador: olle aufhengen dei grean solongs nou bamm gib…

Hans Gasser: Frau Foppa gehört für diese Aussagen ans Kreuz genagelt.

Diandl: Steckt die Foppa in eine Burka und schenkt sie einem Scheich

Petra: … sou a Henne die Mocht über ins hobm,jo iatz gangs nor, zem häng i sie decht persönlich aufn Kreuz aui

X.Y. (hat über das Studio Brandstätter die Löschung des Namens aus der Liste verlangt): Wenn die weiterhin so einen scheiss verzapft, sollte sie sich in Zukunft nicht mer in der Öffentlichkeit zeigen… Könnte ins Auge gehen…

Peter Nied: Dei war an s kreuz zi nageln und alle andre ait na isch a ruh

Christian Thaler: Naja sie wird sich denken, wenn ich diesen Ivasoren ein bißchen beistehe vielleicht bekomme ich auch ein bisschen Ficki Ficki ab, denn sonst bekommt sie eh keinen ab !

Christian Stift Unterhuber: olle tollerant u geisteskrank, genau des führt zum 3ten Weltkriag, mir sein mittendrin……. Der Grianen Zecken terfets net aml gebm, gleich wia die SÜDTIROLER VERRÄTER PARTEI

Lukas Pernstich: Die Foppa und in Knoll afn Kreuz aui noglen nor kennen sie weiter diskutieren!

Moritz Insam: die linken miaset manmit den gonzn gsindl mit oschiabn

Roberto Fazzi: Schlog ihr oaner bitschian oane zu die oarn. Wenn sie es Kuzifix stört soll se wiede rzem hin gian wo se herkemmen sein.

Walter Fischnaller: … i tat di Foppa afn Kreiz auinogln… yessssss…

Alexander Lanz Guarienti: Grüne Dreckschleuder, vai a fare in culo

Edith Duregger: Schwachsinnige Multi-Kulti-Idioten, machen einen auf demokratisch und verarschen die eigene Kultur !!

Dieter Oberlechner: Des grüne Pact gersch außn zu jogn… de vorschandl meine lieblingsforbe.

Maier Matthias: Frau Foppa, scheren sie sich zum Teufel, sie werden doch nicht erwarten dass jemand Mitleid mit ihnen hat nachdem sie solche Aussagen tätigen!Ab mit ihnen aus der Politik! Gehen sie nach Afrika und lassen sich von Ngerschwänzen FICKEN! AB AB AB!

Hubert Leiter: Ich geh zum Papst. Sie soll exkomuniziert werden. Und wenn sie verreckt soll sie den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden. Auf keinen Fall auf einem Friedhof.

 Und hier noch einige der Messages, die mir geschickt wurden:

René N.: Scham di. Vor sella Menschen hon i koan Respekt.

Dani H.: Bisch behindert, gitsch? Obfetzn fa inson Lond, wenns do nit passt.

Giorgio M.: foppa brigitte (minuscolo) VERGOGNA!!!! se ha  un pò di dignità si dimetta dai suoi incarichi politici e scompaia nell’oblio. auguro a lei e famiglia di non aver mai bisogno di guardare o cercare il CROCIFISSO. Con il mio più sentito Disprezzo!!

Johannes B.: Nur weil du ne nixglaubige bist hast du ned das recht ein kreuzverbot in offentlichen raumen zu verlangen du nixnutzige tassi! Es ist ne schande wenn jemand wie du im landtag sitzt aber du bist eben von idioten gewaehlt worden. Eine wie du sollt hinterm herd bleiben.

(Kommentare so originalgetreu  wie noch lesbar übertragen)

Das Kreuz mit der Denkfreiheit

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Ein “shitstorm” fegt derzeit durch Südtirol, und als Adressatin desselben möchte ich dazu Stellung nehmen. 

Von einem Redakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung wurde ich angerufen und zur Debatte in Österreich bezüglich des Kruzifixes in öffentlichen Gebäuden um meine Meinung gefragt. 

Im Interview wurde diese auch wiedergegeben:

Wir leben in Italien in einem Laienstaat, der die Trennung zwischen Kirche und Staat vorsieht. Die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum gehört bisher als kulturelle Tradition dazu. Ich kann damit auch gut leben. Wenn sich die Gesellschaft wandelt und nicht mehr nur eine Religion ihre von der Verfassung verbrieften Rechte leben will, so sagte ich im Interview, werden wir uns über die Präsenz von religiösen Symbolen im öffentlichen Raum neu verständigen müssen. Persönlich bin ich nicht religiös, fügte ich hinzu, und finde, dass Religion eine private Angelegenheit ist.

Die angebliche Forderung nach “Entfernen des Kreuzes aus den Schulkassen” wurde von mir nicht erhoben. Es reichte eine derartige Andeutung in der Titelzeile, um dies zur Nachricht zu machen. Ohne jegliche Nachfrage wurde die nicht getätigte Aussage von anderen Medien übernommen. Für dieses Vorgehen erwarte ich mir umgehend Richtigstellungen insbesondere von “Unser Tirol 24” und “Südtirol News.”

Ich werde seitdem mit Hass- und Drohbotschaften überhäuft. Die Aussagen reichen von “Scham di” bis hin zu Kreuzigungs-, Gewalt- und Ausweisungsphantasien. Die aggressiven, zum Teil gewaltsamen Reaktionen geben Aufschluss über die Meinungskultur in unserem Land. Dass es nicht möglich sein soll, über den Umgang mit religiösen Symbolen in einer sich verändernden Gesellschaft zu diskutieren, muss uns erstaunen. 

Es gab auch solidarische Aussagen, für die ich dankbar bin. Eine Gesellschaft, die sich gern als abendländisch und aufgeklärt definiert, sollte solche Debatten gelassener und ohne Sündenböcke führen können.

Brigitte Foppa, 5. Februar 2017

 

Schaugs holt – salutando Egon

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Am Grabe meines Bruders Egon

Ich möchte von Egons letzten Tag sprechen, denn dieser Montag war ein bisschen wie die Miniatur seines Lebens. Am Morgen bat er uns, ihn aufs Joch zu bringen. Ich hatte die Ehre ihn zu fahren. Immer wieder beschwerte er sich über meinen Fahrstil und vor allem über meinen Hybrid, der die Bergstraße viel zu hochtourig nahm. „Wie kann man sich nur so ein Auto kaufen, das womöglich noch mehr Sprit braucht als ein normales“, schüttelte er den Kopf.

Den Vormittag verbrachte er im Hotelbüro. „Ich kann zwar nicht arbeiten“, sagte er, „aber ich kann ein wenig dem Fabian helfen und mit den Leuten reden.“ So war Egons Geschäftsphilosophie.

Wer ein Gasthaus hat, muss die Menschen mögen, war seine Überzeugung. Er glaubte nicht an Gewinnmaximierung oder an blinde Ausbeutung, sondern an einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen, an das Leben und Leben lassen.

Es ging ihm, lang bevor die Welt von sanftem Tourismus und Nachhaltigkeit zu reden begann, um eine sanfte Entwicklung des Bestehenden. Dazu gehört auch, zuzulassen, dass es eine Zeit nach sich selbst gibt und diese vorzubereiten.

Auch das hat Egon getan.

So konnte er sich Montag gegen Mittag zum Rasten in sein Zimmer zurückziehen. Als sich sein Zustand verschlechterte und wir alle um ihn waren, Marion, die Kinder, wir Geschwister, hat uns Egon noch einmal eine Sternstunde seiner Charakterstärke erleben lassen.

Ad esempio, quando Tullio, che da decine di anni si occupa delle piste da sci, è venuto a salutarlo, gli ha chiesto: „Fa freddo?“ e Tullio ha capito e gli ha risposto: „Si, Egon, vado ad attaccare i cannoni, sta tranquillo!“. Pensate. Che bel modo per salutarsi.

Als es zu dämmern begann, äußerte Egon den Wunsch, nach Hause zu fahren. Er gab Erich genaue Anweisungen, wo das Einsteigen am praktischsten wäre und sagte am Schluss „Jetzt kannst du vorfahren!“. So hat er auch seinen letzten Tag mit leiser Regie gestaltet und zwar so, wie es für ihn und uns alle am besten war.

Das ganze Leben lang hatte er es so gemacht, ohne jemandem je etwas aufzudrängen, aber immer mit dem Blick dafür, was die beste Lösung sein könnte.

Dazu gibt es eine ganze Serie von skurrilen Lebensweisheiten in seiner Schatzkiste. Hatte man etwa ein Problem und er wollte einen auf einen anderen Gedanken bringen, sagte er: „Das beste gegen Zahnweh ist, sich mit dem Hammer auf den großen Zeh zu schlagen!“.

Oder als sich in den letzten Jahren die Todesfälle in der Familie häuften und wir darüber sinnierten, dass dabei immer ein Familienmitglied gerade auf Reisen war, meinte er: „Also muss man schauen, immer der zu sein, der gerade auf Reisen ist!“.

Wir haben mit diesen kleinen Exorzismen gemeinsam versucht, über die schweren Zeiten zu kommen, aber am Montag war Egon nicht der, der auf Reisen war. Vor der Haustür in Montan hat sein Leben aufgehört.

Damit beginnt für uns die Zeit ohne ihn.

In einem Beileidsschreiben schrieb uns jemand: In una delle lettere di condoglianze ci sono giunte queste parole: “Le notizie che parlano di tuo fratello lo raccontano proprio come una bella persona e persone così lasciano spesso non un grande vuoto, ma una grande eredità. Portarla avanti è il compito di chi resta. E’ il senso vero e profondo della vita che non muore mai. Tu e la tua famiglia saprete sicuramente farlo, anzi avete già cominciato a farlo.”


Es wäre schön, wenn das stimmen könnte. Einer der Sätze, den wir alle mit Egon am meisten in Verbindung bringen und der immer am Ende von gemeinsamen Überlegungen darüber stand, was denn das beste sein könne, lautete: Schaust halt!, Vedi un po‘ tu. Damit war klar: Er hatte seins gesagt und getan, am Ende aber muss immer jeder selber schauen, was das beste ist. Darin liegt eine große Freiheit und eine große Verantwortung. Egon hat sie uns immer gegeben und daran sind wir alle gewachsen.

Lieber Egon, wir werden schauen weiterzumachen. Voller Dankbarkeit für alles, was wir von dir lernen konnten und in Erinnerung an die vielen schönen Stunden zusammen, sagen wir heute ein letztes Mal zu dir: Schaugsch holt!

7.1.2017

egon-lacheltVorrei parlare dell’ultimo giorno di Egon. Perché questo lunedì era un po’ come una miniatura della sua vita. Al mattino ci chiese di andare agli Oclini. Ebbi l’onore di portarlo in macchina. Si lamentava del mio stile di guida e soprattutto della mia ibrida che faceva le strade di montagna troppo su di giri. “Ma come si può comprare una macchina che magari consuma più di una macchina normale….?” scuoteva la testa.

Passò la mattina nell’ufficio dell’albergo. „Non riesco più a lavorare“, disse, „ma posso aiutare Fabian e parlare con la gente.“ Questa era la filosofia imprenditoriale di Egon.

Chi ha un albergo deve volere bene alle persone, era la sua convinzione. Non credeva al cieco sfruttamento e alla massimizzazione dei profitti, ma all’uso attento delle risorse, nel vivere-e-lasciar-vivere.

Molto prima che il mondo iniziasse a parlare di turismo dolce e sostenibilità lui credeva nel soave sviluppo di quello che c’era. Era parte di questa filosofia accettare che esiste un tempo dopo di noi e prepararlo.

Anche questo ha fatto Egon.

E allora quel lunedì poté ritirarsi in stanza verso l’ora di pranzo. Quando il suo stato peggiorò e tutti noi, Marion, i figli, noi fratelli e sorelle, eravamo intorno a lui, Egon ci fece dimostrazione un’ultima volta della sua forza di carattere.

Ad esempio, quando Tullio, che da decine di anni si occupa delle piste da sci, è venuto a salutarlo, lui gli ha chiesto: „Fa freddo?“ e Tullio ha capito e gli ha risposto: „Si, Egon, vado ad attaccare i cannoni, sta tranquillo!“. Pensate. Che bel modo di salutarsi.

Quando iniziava a imbrunire, Egon espresse il desiderio di andare a casa. Dette a Erich delle precise indicazioni di parcheggio per essere più comodo e infine disse: „Vai a prendere la macchina.” Così anche il suo ultimo giorno lo ha gestito con lieve regia, per fare in modo che passasse al meglio, per lui e per tutti noi.

Aveva sempre fatto così. Senza mai imporre nulla a nessuno, ma sempre con l’obbiettivo puntato verso ciò che poteva essere la soluzione migliore.

Su questo esiste tutta una serie di saggezze un po’ curiose nel suo scrigno. Ad esempio quando si aveva un problema e cercava di distrarti, diceva: “Se hai mal di denti, la cosa migliore è darti una martellata sul dito dei piedi!”

O, quando negli ultimi anni continuavano a morire le persone della famiglia e insieme riflettevamo sulla curiosa coincidenza che qualcuno si trovava sempre in viaggio, allora disse: “Beh, la cosa importante allora è sempre essere quello che è in viaggio!”

Con questi piccoli esorcismi ci siamo aiutati a passare i tempi difficili. Ma lunedì per Egon è stato un po’ diverso. Davanti alla porta di casa a Montagna ha finito di vivere.

Per noi inizia la vita senza di lui.

Ci hanno toccati queste parole in una delle lettere di condoglianze: “Le notizie che parlano di tuo fratello lo raccontano proprio come una bella persona e persone così lasciano spesso non un grande vuoto, ma una grande eredità. Portarla avanti è il compito di chi resta. E’ il senso vero e profondo della vita che non muore mai. Tu e la tua famiglia saprete sicuramente farlo, anzi avete già cominciato a farlo.”

Sarebbe bello se potesse essere vero. Una delle frase che tutti noi ricordiamo di Egon e che stava sempre alla fine di riflessioni comuni su cosa potesse essere la cosa migliore, era: Schaust halt!, Vedi un po’ tu. Lui aveva detto e fatto il suo, ma alla fine ognuno deve vedere da solo qual è la cosa migliore. In questo sta una grande libertà e una grande responsabilità. Egon ce li ha sempre dati e siamo cresciuti tutti in questo modo.

Sí, Egon, vedremo un po’ noi. Con gratitudine verso tutto ciò che abbiamo potuto imparare da te e ricordando tutti i bei momenti insieme, oggi diciamo un’ultima volta a te: Vedi un po’ tu.

 

Worüber abgestimmt wurde und wer gewonnen hat

siegerkranz

In Italien hat das Nein zur Verfassungsreform Renzi-Boschi gewonnen, in Südtirol das Ja.

Wie bereits in der Vorwahlzeit kreuzen sich auch in der Analyse des Ergebnisses mehrere Interpretationsachsen.

Erste Feststellung: Die hohe Wahlbeteiligung ist ein gutes Zeichen. Fast drei Viertel der BürgerInnen Italiens hat sich mit dem wichtigsten Dokument der Republik befasst und sich in der einen oder anderen Weise dazu geäußert. Die Verfassung wird vorerst nicht abgeändert, und das ist gut so.

Denn zweitens war die Reform inhaltlich und formell untragbar. In einem technisch schlecht gemachten, streckenweise unleserlichen und nur im Gesamtblock zur Abstimmung gebrachten Text wurden die Rezentralisierung des Staates und die Schwächung der demokratischen Institutionen vorgeschlagen – in Verbindung mit einem schändlichen Wahlgesetz eine fatale Aussicht für Italien. Zudem zielte die Reform, und das deutliche Votum im Süden Italiens bestätigt dies, an den eigentlichen Problemen der Bevölkerung und des Staates total vorbei.

Die politischen Folgen, die dritte Ebene, geben besonders zu denken. Die allgemein wahrnehmbare Schalheit beweist, dass es keine Sieger und keine Verlierer gibt, weder in Südtirol, noch im gesamten Staatsgebiet. Renzi hat nicht nur einen strategischen Fehler gemacht, als er den Ausgang des Referendums an seine politische Zukunft gekettet hat. Er hat, mit vehementer Unterstützung sämtlicher politischer Leader Italiens (und im Kleinen, auch jener Südtirols), diese Abstimmung zwangspolitisiert und –personalisiert. Darin liegt die wahre Verantwortung Renzis der Demokratie gegenüber. Referenden sollten sich von Wahlen genau dadurch unterscheiden, dass frei über eine Sachfrage abgestimmt werden kann. Diese Freiheit hat Renzi, und mit ihm Grillo und Salvini, den Wählerinnen und Wählern genommen.

So hat jede und jeder in Italien und in Südtirol über etwas anderes abgestimmt: über die Inhalte der Reform, über die Regierung Renzi und die Alternativen zu ihr, über die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen Regierungskrise, über die populistischen Gefahren, in Südtirol auch über die Schutzklausel und sogar über die Selbstbestimmung.

Dieses Ergebnis macht daher nachdenklich und auch ein wenig ratlos. Hätte das Nein gewonnen, ohne dass Renzi ganz Italien erpresst hätte, dann gäbe es jetzt eine klare Anweisung vom Volk an das Parlament, eine neue, ordentliche Reform zu machen. Wenn an der Spitze Italiens wirklich reife DemokratInnen stünden, würden sie jetzt genau diesen Auftrag annehmen.

Am Ende gibt es vielleicht doch eine Gewinnerin. Unberührt von den politischen Spielen und Eitelkeiten bietet sie seit 1948 gewährte Gewissheit. Die Regierungen kommen und gehen, sie bleibt: die Verfassung.

 

 

Das Spiel der Gleichgewichte

wasserspielDas Referendum zur Verfassungsreform steht vor der Tür und ich stelle fest, dass ich all jene beneide, die derzeit eifrig und in voller Überzeugung ihre Meinung und ihr Stimmverhalten kundtun. Gerne hätte ich diese vollste Überzeugung auch, ich habe sie nicht.

Dabei gibt es inhaltlich gar keinen Zweifel, wie ich stimmen werde. Dass es sich um einen der (auch schon nur rein handwerklich) schlechtesten Reformversuche aller Zeiten handelt, sagen sogar die Befürworter. Dass die Reform an den eigentlichen Problemen Italiens vorbeizielt, sozusagen eine falsche Medizin für eine falsche Krankheit anbietet, lässt sich auch durch noch so gut gestylte Werbekampagnen nicht verdecken. Dass sie an ein schändliches Wahlgesetz gekoppelt ist, verursacht allen Mitte-Links-WählerInnen gewaltiges Bauchweh.

Fazit zu Beginn: Man kann dieser Reform nicht zustimmen und wer es tut, tut es in den allermeisten Fällen nicht „in der Sache“, sondern aus vorwiegend politischen Überlegungen. Auch wer sich mit Renzis Politik nicht identifizieren kann, leidet unter den möglichen Alternativen zu ihm: populistische Schreier, ausländerfeindliche Hetzer, rechte Nullnummern, linke Streithähne… es sieht auf dem politischen Parkett Italiens nicht gut aus. Renzi hat seine miserable Reform daher mit effizientem Marketing retuschiert und das Referendum, nicht ohne Größenwahnsinn und spekulativem Narzissmus, zu einer italienweiten Vertrauensabstimmung über seine eigene Person gemacht. Er will damit vielleicht auch seine Ursünde als Politiker, nämlich nicht gewählt worden zu sein, ausgleichen. Mit dieser Masche bringt er uns aber in ein Dilemma. Einmal, weil jene von uns, die inhaltlich diese Reform ablehnen, damit jenen in die Hände spielen, die womöglich nichts Besseres zu bieten haben, sondern noch weniger Sicherheit und Korrektheit aufweisen als der abgewrackte, aber ideell immer noch halbwegs progressiv einzuordnende PD. Zum zweiten, weil die inhaltliche Abwägung der Reform völlige Nebensache geworden ist. Das ist umso bedauerlicher, als es sich bei Referenden ja immer um Sachentscheidungen handeln sollte. Diese Zwangspolitisierung, gerade wenn es sich um das wichtigste Dokument unserer Demokratie handelt, ist gravierend. Eine Zumutung, die sicher noch ihre langen Schatten auf die nächsten Wahltermine werfen wird.

Gravierend ist die Reform vor allem aber auch in ihren Ansätzen, im Geist, der sie beseelt und der nur schwer nachvollziehbar aus einer Mitte-Links-Gruppierung stammt. Wenn wir nämlich die Demokratie als ein komplexes Spiel von Gleichgewichten sehen, dann werden wir in dieser Reform eine ganze Kaskade an Destabilisatoren finden, die uns aufhorchen lassen müssen. Das Bild, das ich im Kopf habe, ist das von jenen Wasserspielen, in denen ganz oben ein Wasserstrahl auf ein darunterliegendes Brett gegossen wird. Dieses Brett hält sich nur dann im Gleichgewicht, wenn die Längen des Brettes die richtigen Proportionen haben und der Wasserstrahl in die richtige Richtung abgeleitet wird. Der Strahl trifft nämlich auf darunter liegende Bretter, bei denen ein analoges Spiel der Gleichgewichte herrscht und darunter ein weiteres Mal und so weiter.

So gibt es in der Demokratie ausgeklügelte Gleichgewichte zwischen den Gewalten, aber auch, auf allen Ebenen, die Balance zwischen Macht und Kontrolle – und es gilt: Je stärker die Macht ausgeprägt ist, desto ausgefeilter müssen auch die Mechanismen sein, die diese Macht im Zaum halten. Die Reform Renzi-Boschi, gepaart mit dem Wahlgesetz Italicum, birgt hier viele Gefahren. Sie versucht, die endemische Schwäche der italienischen politischen Vertretung mit einem Überhang an künstlich konstruierter Macht auszugleichen. Der Senat wird entmachtet und an Bürgermeister und Regionalratsabgeordnete delegiert, die am Feierabend und oft in kürzester Zeit etwa die Haushaltsgesetze des Staates durchstudieren sollten. Die Kammer, deren Mehrheit durch den übergroßen Mehrheitsbonus gedopt ist, wählt die RichterInnen des Verfassungsgerichtshofes, und damit auch eine jener Instanzen, die Kontrolle bieten müsste. Im Zeitalter der Populisten ist das eine gefährliche Verschiebung von Gleichgewichten.

Wir finden dieselbe Verschiebung auch auf einer weiteren Ebene des demokratischen „Wasserspiels“ meines Beispiels, nämlich wenn es um das Gleichgewicht zwischen Effizienz und Subsidiarität geht. Die mühsam gemachten Schritte in Richtung Föderalisierung des Staates Italien, insbesondere erreicht durch die Reform von 2001, werden nun mit Verweis auf die Ineffizienz der Lokalverwaltungen wieder rückgängig macht. Dabei sind Subsidiarität und Föderalismus gute Konzepte, in den größten Demokratien der Welt lang erprobt und bewährt. Auch hier gilt das Gesetz der Gleichgewichte: Je stärker der Zentralstaat, desto stärker muss die Verantwortung der peripheren Elemente gesichert sein. Die Reform aber entmachtet die Regionen im Sinne einer besseren Rationalität des Staates. Das muss in Italien schon aus rein praktischen Erwägungen Sorgen bereiten. Wer einmal in einem Ministerium in Rom war, wird sich schwerlich vorstellen können, dass das eine Stätte der Effizienz sein kann. Leitlinien zu Bildung oder Gesundheit, die wir aus den Ministerien erhalten, müssen bei uns, wo wir den entsprechenden Spielraum zum Teil (noch) haben, mühsam an die Praxis und die Modernität angepasst werden. Wenn sich auch die Regionen nicht als ideale Verwaltungsapparate bewiesen haben, so gibt es doch allzu berechtigte Zweifel daran, dass diese Mängel durch eine Rezentralisierung behoben werden können, oder ob nicht gerade dadurch neue Abhängigkeiten geschaffen werden. Wie Bersani sagte: Angst macht nicht der „uomo solo al comando, ma l’uomo solo al guinzaglio.“

Wenn wir auf unsere eigene Realität herunterzoomen, so können wir uns schließlich auch mit dem Gleichgewicht innerhalb der Autonomie befassen – vielleicht ausgehend vom Prinzip „je mehr Selbstverwaltung, desto mehr Mitbestimmung“. Es wird im Vorfeld dieses Referendums zu Recht gewarnt vor sehr wahrscheinlich zu erwartenden Übertölpelungsmanövern unserer Autonomie gegenüber. Da müssen wir sehr wachsam sein und ich kann die Vertrauensseligkeit der Volkspartei (zumindest wird diese zur Schau getragen) nicht nachvollziehen. Aber jenseits des altbekannten Spiels „Wir gegen Italien“ und des mehr oder weniger genüsslichen Zerlegens der „Schutz“klausel, sollten wir auch einen Blick auf die innere Demokratie Südtirols lenken. Sie hat es in diesem Wahlkampf nicht einmal zum Nebenschauplatz gebracht. Dabei finden derzeit auf dem Feld der Autonomie große Rangiermanöver statt: Verhandlungen mit dem Staat werden geführt; die Landeshauptmänner von Südtirol und Trentino scheinen sich laut Medienberichten schon auf die künftige Funktion der Region geeinigt zu haben; es soll schon einen Katalog der Kompetenzen geben, die man vom Staat erhalten will. Und eine Gruppe von Leuten, die sich in ihrer Freizeit regelmäßig treffen und über die Zukunft der Autonomie diskutieren, in einer netten Runde namens Konvent, die gäbe es auch noch. Wie das alles zusammengeführt werden soll, in welche Richtung es gehen soll, ob und wie die Demokratie im Lande zu einer partizipativen Autonomie umgebaut werden soll, darüber aber herrscht völliges Dunkel und wir haben die Diskussion ums Referendum nicht genutzt, um mehr Klarheit zu erlangen.

So ist dieses Referendum auf jeden Fall eine verpasste Chance. Die Verfassung soll erneuert werden und das hätte ein Höhepunkt der demokratischen Geschichte sein können. Die vielen Diskussionen über die Reform zeigen auf, dass sich die Menschen durchaus betroffen fühlen. Viele ringen mit ihren Entscheidungen, sie nehmen sie ernst. Eigentlich erleben wir eine Sternstunde der aktiven Bürgerschaft. Eigentlich. Denn was die politischen Leader Italiens, allesamt, mit ihrer Selbstbezogenheit und ihren multiplen Eitelkeiten daraus gemacht haben, ist eine Tragödie. Ich fordere ein, mit meiner gesamten Freiheit meine Wahl zu treffen und zwar zum Gegenstand, der am Sonntag zur Abstimmung steht und nicht zum Herrn Renzi oder zu einem der anderen Herren, die sich derzeit in Szenarien überbieten, die mit der Verfassung nichts mehr zu tun haben. Ich halte mich dabei an unsere schöne alte Verfassung. Sie sagt im Artikel 1 unmissverständlich das, was wir vor lauter politischer Überfrachtung letzthin fast vergessen haben, nämlich: „La sovranità appartiene al popolo, che la esercita nelle forme e nei limiti della Costituzione.“ Appunto.