Go, Hillary und die anderen, go!

2016 Schatten RadlIch werde mich nie dran gewöhnen, wie lang unser Weg ist.

Immer unterwegs auf einem Rad, das uns zwingt, doppelt so oft zu treten wie jeder Mann. Im Wissen, dass jedem Mann doppelt so viel nachgesehen wird und dass wir ganz banal doppelt so gut (oder auch nur halb so schlecht) sein müssen.

Gerade daher bin ich stolz auf jede Frau, die es schafft. Auch wenn ich ihre Meinung nicht teile, wenn ich mich streite mit ihr, sogar wenn ich sie nicht mag.

Einmal aus der Überzeugung heraus, dass es auch unter den Männern verschiedene Meinungen und Geschmäcker gibt.

Zweitens, weil jede Frau an der Macht Gewöhnung schafft, und das ist in der Politik nicht zu unterschätzen.

Und drittens, und das hat letzthin in der ZEIT ein Mann geschrieben, weil es eine gute Gewissheit ist, zu denken, dass es zwei “Herrschafts”paradigmen gibt, was immer noch besser ist als eins.

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Ja oder nein, das ist hier die Frage.

Demokratisches DilemmaHeut wird abgestimmt. In den letzten Wochen und Monaten wurde zum Flughafenkonzept des Landeshauptmanns wirklich alles gesagt, was zu sagen war und wir werden in den nächsten Tagen auch die Kampagne zu dieser ersten landesweiten Volksbefragung ausgiebig kommentieren.

Der Wahltag ist immer ein ganz besonderer Tag. Wer „wahlgekämpft“ hat, fühlt sich ganz eigenartig in der Schwebe, im Gefühl, alles getan zu haben, was man tun konnte. Für die DemokratInnen liegt eine große Ruhe in diesem Tag. Sie wissen, dass das geschieht, was für die Mehrheit der BürgerInnen, denen das Thema wichtig ist, richtig ist.

(Dies ist übrigens auch die einzige Haltung, in der sich Personenwahlen ertragen lassen. Auch da ergibt sich ein ganz spezifisches Gefühl der Gelassenheit daraus, dass man ein Angebot gemacht macht, über das nun andere entscheiden und das wird das Richtige sein.)

Den heutigen Schwebezustand möchte ich dazu nutzen, über einen Aspekt nachzudenken, der bisher noch nicht im Fokus der Debatten war. Heut wird in einer beratenden Volksbefragung über das Flughafengesetz abgestimmt. Anschließend wird der Landtag definitiv über das Gesetz abstimmen. Der LH hat das politische Versprechen abgegeben, dass die Mehrheit das Votum des Volkes in jedem Fall (sogar wenn das gesetzlich vorgesehene Quorum nicht erreicht wird) umsetzen wird.

Die Übernahme des Votums des Volkes eröffnet für uns VolksvertreterInnen jedoch ein Dilemma.

Sollte das NEIN gewinnen, das ich unterstütze, so ist es für mich als Abgeordnete ein Leichtes: Bei der Abstimmung im Landtag stimme ich mit NEIN und setze somit meine eigene Herzensüberzeugung und den Mehrheitsentscheid der Volksbefragung um.

Was aber, wenn heute das JA gewinnt? As überzeugte Direktdemokratin muss ich bei der Abstimmung über das Gesetz mit JA stimmen, um dem Wählerwillen Rechnung zu tragen. Damit komme ich aber in Konflikt mit dem Auftrag, den mir meine eigenen WählerInnen bei meiner Wahl von 2,5 Jahren gegeben haben. Ganz sicher waren unter den 9.270 Stimmen keine oder nur sehr wenige FlughafenbefürworterInnen und viele von ihnen würden nicht verstehen, wenn ich plötzlich für den Flughafen stimmen würde.

Wir sind hier an einer Nahtstelle zwischen direkter Demokratie und Repräsentantendemokratie, mit zwei sich möglicherweise zuwiderlaufenden Aufträgen und ich bin mir unsicher, was das Richtige ist. Meine eigene innere Meinung tendiert dazu, den direktdemokratischen Auftrag voranzustellen  und im Falle eines JA-Sieges anschließend im Landtag für das Gesetz zu stimmen. Aber das hieße auch, meinen WäherInnen ihre Stimme zu nehmen, die sie ja über mich ausdrücken. Andererseits widerstrebt es zutiefst meiner demokratischen Auffassung, den Auftrag der WählerInnen nicht umzusetzen. Als das in Mals im Nachfeld der Volksabstimmung zu den Pestiziden passiert ist, war ich entrüstet. Nun spüre ich selbst das Dilemma – auch wenn ich auf der anderen Seite stehe.

Mein „Problem“, das ich hier aufwerfe, ist gewissermaßen ein Luxusproblem, da ich ja nicht in der politischen Mehrheit bin. Auf ihr lastet in Wirklichkeit das gesamte Ausmaß dieses Dilemmas, und natürlich könnte ich auch einfach sagen, dass sich damit eben die Mehrheit befassen soll und ich stimme einfach meinem Herzen folgend. Aber mein Kriterium ist immer, die Sachfrage voranzustellen.

Wir haben im „Grünen Rat“ darüber lange diskutiert. Es überwogen die Stimmen jener, die dazu neigen, den Wählerauftrag voranzustellen und das NEIN unserer Wählerschaft auch in die Endabstimmung zu tragen. Es würde nicht verstanden, wenn wir als Grüne nun plötzlich mit JA stimmen würden, war eine weitere, ernstzunehmende!, Sorge. Mit der werden sich umso schwerwiegender auch all jene Abgeordnete der Mehrheit herumschlagen müssen, die selber vom JA überzeugt sind, im Falle eines NEIN aber dieses umsetzen müssen.

Eine praktische Lösung könnte sein, im Falle des JA-Sieges heute, bei der Abstimmung im Landtag nicht teilzunehmen und der Mehrheit die Möglichkeit zu geben, das JA umzusetzen. Diese könnten dasselbe im Falle eines NEIN tun.

Andererseits ist Nicht-Mitstimmen auch immer ein Akt der Selbstaufgabe.

Es ist ein schönes Dilemma, das ich hier erörtere. Es zeigt, wie vielschichtig Demokratie ist und wie sehr sie sich derzeit entwickelt und wie sehr wir uns mit ihr entwickeln müssen. Jede und jeder an ihrem oder seinem Ort und hoffentlich nicht alleine. Denn eines ist sicherer Gewinn in der Demokratie: Man entscheidet nicht allein.

lachen

DSC_0311Humor

wenn frau trotzdem lacht.

trotz terminchaos und telefonstress

gräberrichten und ehediskussion

sohnspubertät und mädchengejammer

müdigkeit und anfeindungen

anspannung und besorgnis.

Humor braucht keine zeit und keinen ort, er ist immer möglich.

am meisten gelacht haben wir mit unserm vater als er aufgebahrt im hause lag.

am meisten haben wir mit unserer mutter zu lachen uns bemüht, wenn sie mich wieder mit ihrer schwester verwechselt hat.

lachen muss ich auch wenn ich hinkugel oder wieder mal was fallen lass und mich in meinem ärger über mich so richtig mag.

Sind so nah beinand das lachende und das weinende auge.

Und das lachen ist im weinen und das weinen im lachen.

 

Dann hab ich festgestellt dass es zwei lachen gibt: das bauchlachen und das kopflachen.

Der kopf lacht, wenn ein wortspiel gelingt, bei schrägen gedanken und brüchigen anblicken.

Der bauch lacht beim wohligen fühlen, mit meinen kindern, wenn sie mich kitzeln, oder  beim schweren tragen des futons über die treppe.

Mit s. wenn uns die kopiermaschine tratzt, mit g. über sein campingdasein, mit dem m., wenn wir bei minus 10 grad um mitternacht in lienz einen kongress suchen und nicht finden.

Das bauchlachen ist un-beherrscht und befreiend, das kopflachen ist kontrollierbar und anregend.

Und das glück kommt aus beiden und von beiden hängt es ab.

 

leben lachen lieben

mit einem liquiden laut beginnen alle drei, die luft an der zunge vorbeistreichend, durchgehend sagbar und glucksend klingend mit L.

kichern, schmunzeln, gickeln, sich ausschütten/kugeln/krümmen/biegen vor lachen, sich derschiffen, sich derkugeln, sich dumm/krank/totlachen, sich aber auch krumm/schief/scheckig/kringelig lachen. Wieviel bewegung, wie viel lust ist im lachen! (und im leben und im lieben! die gleichen wörter passen nämlich auch auch darauf: sich krumm/schief/scheckig/kringelig leben – klingt das nicht gut?

Oder sich ausschütten/kugeln/krümmen/biegen vor lieben – wunderbar, nicht?)

und deshalb: humor ist wenn frau trotzdem lacht. und trotzdem liebt und trotzdem lebt.

Ich habe fertig.

Piante pioniere – Politik in Zeiten der Veränderung

Ausläufer

 

Discorso all’assemblea provinciale dei Verdi
12 marzo 2016

Liebe Grüne, care amiche verdi, cari amici!
Che momento stiamo vivendo, was für ein Moment der Veränderung!

 

Unser Kontinent verändert sich unwiderruflich. Und es passiert genau das, was bei allen großen gesellschaftlichen Revolutionen passiert ist: Es beginnt mit dem Leugnen. Gerade in dieser Woche habe ich den Film zu den Suffragetten gesehen, in einem Kino randvoll mit Frauen, und da war es ebenfalls zu sehen: die rabiate Abwehrhaltung eines Establishment angesichts einer Veränderung, die das Althergebrachte in Frage stellt, Machtansprüche neu definiert, den Spiegel vorhält.

Es ist ein quantitativ geführter Diskurs (wie viel Flüchtlinge verträgt Europa, das einzelne Gebiet? Welche ist die richtige Obergrenze?), der in Wirklichkeit die Auseinandersetzung über die qualitative Frage verdeckt (wie verändert sich unsere Gesellschaft? Wie können wir mögliche Spannungen so gering wie möglich halten?). Radikale Grundfragen würden sich stellen und sie tun weh.

Es sind die großen „Eigentlich“-Fragen

Was macht unsere Kultur eigentlich aus?
Was davon sollte in die Zukunft gerettet werden?
Wie macht man das eigentlich?
Gibt es das Konzept von Volk in Wirklichkeit?
Wenn ja, was macht es aus?
Wem gehört eigentlich Europa?
Wem gehört ein Kontinent?
Bis hin zu: Wer sind wir eigentlich?
Und wenn wir nach Südtirol herunterzoomen:
Warum haben wir Angst vor 1000 Flüchtlingen? 1 auf 250 EinwohnerInnen?

Und auch wenn es 6.000 wären, wie in Tirol: Was geht eigentlich vor in einem Land, das 6 Millionen Leute jedes Jahr bezahlterweise aufnimmt und sich nie hinterfragt, was das mit unserer Gesellschaft macht? (Am Rande gesagt und mit Zynismus, könnte man die Flüchtlinge, für die ja 28 Euro pro Tag vom Staat bezahlt wird, auch als eine Variante des Billigtourismus betrachten)

Sprachliche Notiz: Überwiegend wird “eigentlich” aber eigentlich als aussageloses Füllwort benutzt. Aber das mhd. “eigenlich” und Ausdrücke wie “das ist ihm eigen” beinhalten noch die Bedeutung “in Besitz haben”. Damit ist das “Eigentliche”, “das Wesen einer Sache”.

Es ist auch tragisch und zynisch, dass wir das gesamte Ausmaß der Flüchtlingsthematik so vom Ende her sehen, bewerten und nur für diese auch an (Pseudo-)Lösungen arbeiten.

Jahrhundertealt ist die europäische Kolonialpolitik und der imperialistische Geist, auf dessen Grundlage viele Länder für lange Zeiten eine verwirrte, verzerrte und unnatürliche Entwicklung in die Armut und Abhängigkeit getrieben hat. Jünger ist der wirtschaftliche Paternalismus durch Freihandelsabkommen und Investitionsschutzverträge, neu und alt zugleich ist der konsumistische Egoismus, der uns alle dazu treibt, in gelebter kognitiver Dissonanz an Ausbeutung und Ungleichheit täglich unser Scherflein beizutragen, wenn wir un-(v)erträglich billige Kleidung, billige Elektronik, billige Lebensmittel zu kaufen.

Die Welt wie ein Kondominium

Ich sehe die Welt wie ein Kondominium, in dem wir die luxuriöse Attiko-Wohnung haben. Nach und nach haben wir den Bewohnern des Untergeschosses den Strom abgedreht, deren Wasser genommen, die Heizung abgeschaltet, damit wir es wärmer haben in unserer Wohnung. Einzelne sind gekommen und die haben wir noch eingestellt, um die Putz- und Pflegearbeiten zu übernehmen, die uns lästig waren. Jetzt aber kommen sie alle die Treppe hoch. Sie haben Hunger, Durst, sie leiden unter denen, die in dieser prekären Situation im Untergeschoss die Führung übernommen haben und wo wilde Kämpfe herrschen. Sie stehen vor unserer Tür. Und was tun wir? Klar, wir kaufen uns eine Absperrung am oberen Ende der Treppe. Wir sichern unsere Wohnungstüren (Pius Leitner hat nicht umsonst genau diese Metapher gewählt). Wir sperren die Nottreppe und denken auch daran, den Aufzug außer Betrieb zu setzen. Schlimmstenfalls sprechen wir uns noch mit denen ab, die im vierten Stock wohnen und die uns bis jetzt zu minder waren, auch weil sie vielleicht selber ihre Angestellten als Sklaven halten…

Ich will nicht moralisieren, ich versuche zu beschreiben. Die Geschwindigkeit, mit der dies alles passiert, ist ein Problem, die kulturelle Diskrepanz ebenso, die Mischung aus „Menge“, Tempo und Diskrepanz macht das ganze so beängstigend und komplex, dass die einfachen rechten Verheißungen (Lösungen kann man das einfach nicht nennen), die echte Blauäugigkeit übrigens!, oft als das einzig Verständliche in dieser ganzen Debatte übrig bleibt. Das zeigen auch die bedrohlichen Anstiege der AfD, der NPD in Hessen oder der Freiheitlichen in Österreich.

Für uns Grüne ist das anders. Wir sind es gewohnt, in der Komplexität zu argumentieren und im Widerspruch zu geliebten gängigen und mundgerechten Formeln zu agieren. So ist es die Erwartung an uns, jetzt nicht zu zweifeln zu beginnen, sondern weiter, auch und gerade in der Flüchtlingsdebatte, den Weg zu weisen, nicht an der populistischen Kante einzuknicken, vorzudenken, Öffnung vorweg zu nehmen – ohne dabei die pragmatischen und realpolitischen Grenzen des Mach- und Gangbaren zu übersehen. Unsere Nachbarinnen im Norden machen uns das sehr gut vor, Landesrätin Christine Baur ist ein Fels in der Brandung und im Windschatten von Platters Vollbrüstigkeit leistet sie genau das, was man sich von einer Soziallandesrätin, die diesen Namen verdient, erwartet.

Übrigens haben wir uns gerade vorgestern am Brenner getroffen und wieder einmal festgestellt, wie sehr es uns ein Anliegen ist, den Diskurs von Anfang bis zum Ende durchzudenken und nicht nur bis an die jeweils nächste Grenze und den nächsten Zaun.

Wir haben uns auch auf eine Vorgehensweise geeinigt:

  1. Kein Zaun am Brenner!
  2. Es braucht Aufnahmezentren in ganz Italien – und Italien muss unterstützt werden, auch finanziell und auch von seitens Österreich!
  3. Von Best-Practice-Beispielen abschauen: Baden-Württemberg und Bayern haben sehr gute Arbeit in der schnellen Aufnahme geleistet.
  4. Am Modell der humanitären Korridore arbeiten.

Die Flüchtlinge zeigen uns einen der großen Paradigmenwechsel auf, die wir gerade durchschreiten.

La tematica dei profughi indica uno die grandi cambiamenti di paradigmi che stiamo attraversando.

Cambia anche la politica

Ce ne sono altri, come il vertiginoso arrotolarsi su sé stesso del sistema economico, il mondo della comunicazione che si velocizza e si virtualizza e che velocizza e virtualizza anche le nostre relazioni. Il sistema di valori che si individualizza. Vorrei affrontare, nella seconda parte del mio intervento, proprio perché oggi ci ritroviamo come partito dei Verdi, il cambiamento nella sfera della rappresentanza civica.

Da rappresentanti politici stiamo vivendo un momento molto difficile.

Riccardo racconta che quando lui è entrato in Consiglio Provinciale questo era un onore, si erano persone „onorate“. Dopo lo scandalo delle pensioni anche da noi si è affermata l’immagine scadente della politica e dei partiti.

La situazione dei partiti, dei gruppi consiliari, dei politici è tragica. Tra Monti che ha tolto ai consiglieri comunali le ore per prepararsi, Renzi che vuol togliere il personale dei gruppi consiliari, la Commissione parlamentare di vigilanza che ci vessa di continuo… iniziano a mancare anche le basi pratiche e minime necessarie per far politica. Inizia a mancare il fiato.

Sono stata alla scuola media di Egna poco fa per un progetto di orientamento professionale. Ho chiesto cosa sapevano dei politici. L‘unica cosa che sapevano era che i politici guadagnano un sacco di soldi.

Si avrà da parlare di questo nei prossimi tempi, e stiamo preparando una proposta politica in Consiglio proprio per far tornare la discussione sul VALORE della politica tra i nostri committenti: i cittadini e le cittadine.

Comunque per ora si percepisce un vero fossato, una spaccatura tra la politica e la cittadinanza.

Noi siamo un partito anomalo: abbiamo un partito e facciamo politica in un partito, senza avere però la forma mentis di un partito. (infatti solo da pochissimo io stessa, che sono la segretaria provinciale sudtirolese con piu anzianità di servizio, ho capito che tante cose negative che ci buttano addosso i giornali, la gente, quando interpreta le nostre azioni, non sono attribuibili a noi, ma vengono interpretati cosi perche ciamo considerati un partito!)

Invece agiamo in un sistema in cui gli schemi interpretativi sono quelli della politica. Allora si ragiona in termini di potere, di intrigo, di posti da occupare – ragionamenti a noi completamente (anche troppo!) estranei. Il fatto è che per persone come noi che si mettono in politica per cambiare il mondo, per migliorare le cose, per muovere e stimolare la trasformazione, per impegnarci per i nostri valori, ecco per tutto questo, vivere il fossato tra politica e cittadine, è doloroso. È assurdo. E io noto che fatichiamo perché non sappiamo da che parte stare. Eravamo giocolieri, pendolari tra i mondi, e ora il filo è interrotto, le rotaie sono spezzate.

La buona politica

Noi abbiamo bisogno di una buona politica e in questo momento vediamo che non si fa una buona politica. La politica, compito così nobile, è stanca. Autoreferenziale, vanitosa, manierata ripete le sue ritualità, spesso in una messinscena ripetitiva, con un suo slang che tutti odiano e con caratteri sempre meno consistenti e più labili.

Ormai basta poco. Per fare politica basta una sola cosa: non essere politici. Uno sguardo sulla scena attuale di BZ lo conferma. Con affanno i partiti cercano le persone „pulite“, quelle che non sono „come loro“. Aver fatto lavoro volontario in un partito non è più una qualifica, ma una macchia sulla biografia.

E così bisogna chiedersi a cosa servono più i partiti?

E soprattutto: a che serviamo noi Verdi? Sono sempre stata contraria al partito come mera macchina da campagne elettorali. Io il partito lo vedo, lo dico spesso, come uno scrigno, in cui vengono custoditi certi valori condivisi. Un luogo, dove vengono portate avanti le idee, anche se le persone passano. Una palestra dove imparare a far politica in uno spazio „protetto“. Un organismo che seleziona anche il personale della politica, nel senso piÙ nobile della parola. Un posto dove preparare le decisioni importanti per una comunità mettendo insieme i vari modi di ragionare all’interno di un gruppo che condivide die valori e un’idea di fondo.

Tutto questo rende i partiti qualcosa di prezioso. E le alternative non sono molto simpatiche: se la democrazia diretta e la partecipazione possono essere la controparte positiva e necessaria a un sistema fossilizzato (ma comunque non si può del tutto sostituire il sistema della rappresentanza con la democrazia diretta), dall’altra parte vedo solo l’autoritarismo del personaggio famoso o il paternalismo del ricco che può farsi conoscere.

Ecco quindi che ci tocca fare una riflessione profonda su quello che un partito, il nostro partito deve essere in questa società che cambia. Sento la forte necessità di colmare quel fossato di cui parlavo prima e sento che dobbiamo essere noi Verdi i primi a fare questa riflessione. La immagino come una sorta di Politische Organisationsentwicklung, di cui vi parleremo dopo, quando facciamo la proposta su come gestire i prossimi mesi.

Solve et coagula, war eine alte Formel innerhalb der Grünen Bewegung, eine Losung unseres Gründervaters Alexander Langer. Für mich hatte das immer schon etwas Rastloses, nicht Nachhaltiges. Ich möchte unsere Grüne Partei nicht aufgeben, um sie in neuer Form wieder auferstehen zu lassen. Aber wir können nicht umhin, über unsere Rolle in einer sich so schnell wandelnden Gesellschaft zu analysieren – und wir sind ja auch schon auf dem Weg. Unsere verdECOnomia hat den Prozess der Gemeinwohlbilanz angeleiert, mit dem wir schon sanft gezwungen wurden, uns auf unsere innere und äußere Nachhaltigkeit zu prüfen.

Achtung! Es geht nicht darum, parteiinterne Nabelschau zu machen. Es geht darum, Modelle für eine GUTE Politik zu machen. Wir hatten in unserem Wahlslogan 2013 die Worte der „GESUNDEN POLITIK“ drin. Ich habe mich in diesen Jahren oft gefragt, was das ist – denn gesund ist im politischen Betrieb rein gar nichts. Die Parteien eine Art Reißwolf, die Institutionen eine reine Inszenierung, die Macht eine ungeteilte, die Zeiten menschenfeindlich, die Kommunikation vertikal…

Es geht also um einen Methodenwandel, um eine Prozesserneuerung. Wir haben da ja schon einiges vorgemacht (Konvent, Gesetz zur direkten Demokratie), nirgendwo können wir unser grünes Pionierswesen besser ausleben als in der wahren Veränderung und das sind immer die Prozesse. Auch inhaltlich waren wir den anderen meist weit voraus, von der Energiewende über Bio bis zum Car-Sharing – nicht umsonst stehen heute grüne Punkte in jedem Parteiprogramm. Daneben waren wir aber auch die ersten, die Vorwahlen gemacht haben, die ersten, die Parteitage als World Cafe abhielten (immer belächelt, natürlich), die ersten, die den Co-Vorsitz eingeführt haben, die ersten, die sich mit einer Bürgerliste verpuzzelt haben… das sind lauter Beispiele für Pioniersprozesse.

Pionier ist ein Wort, das aus dem Französischen gebildet wurde, und es heißt vermutlich ursprünglich „Fußsoldat“ – jene, die voraus gingen, waren also nicht die großen Feldherren, sondern Fußsoldaten, die neue Wege erkundeten, neue Gebiete erschlossen. Das zeigt uns den Weg, und es bestätigt, was ich immer schon dachte, nämlich, dass das Neue nicht von Oben kommt, sondern von unten (auch bei der Geburt…).

Aber ich möchte nicht mit dem Bild des Soldaten schließen, sondern mit dem der Pionierspflanze, die liegt uns wohl eher. Pionierpflanze, das ist eine Lebensform, die (weitgehend) unbelebtes Gebiet meist unter extremen Bedingungen besiedelt.

Wenn wir im Lexikon der Biologie nachlesen, wer die Pionierspflanzen sind, dann scheint das eine Beschreibung von uns Grünen, beeindruckend:

Lexikon der Biologie

Pionierpflanzen, Erstbesiedler vegetationsfreier Flächen, z.B. Schutthalden im Gebirge oder künstliche Aufschüttungen (Minenabraum, Rekultivierungen).

Auf Felsen handelt es sich um Flechten, Moose und Kräuter, denen wenig anspruchsvolle Holzgewächse folgen. Die Pionierpflanzen tragen zur Bodenbildung (Bodenentwicklung) bei und werden später meist durch anspruchsvollere Gewächse verdrängt, deren Vorkommen jedoch nur durch die vorherige Existenz der Pionierpflanzen ermöglicht wird.

Die Pionierpflanzen weisen spezielle Anpassungen an die unwirtlichen Standortbedingungen auf: zahlreiche, über lange Zeit keimungsfähige Diasporen (Samen) mit guter Ausbreitungsfähigkeit, Bildung von Ausläufern sowie gute Regenerationsfähigkeit der Pflanzen nach mechanischer Schädigung.

 

Auf letzteres wollen wir nun unsere Hoffnung legen. Nicht auf die mechanische Schädigung, sondern auf die gute Regenerationsfähigkeit, natürlich!

In diesem Sinne (damit schließt man im Landtag immer die Reden!) glaube ich an eine gute grüne Zukunft – wenn wir es schaffen, die Samen rechtzeitig zu säen, die Ausläufer rechtzeitig zu verwurzeln. Ich vertraue auf die Pionierspflanzen.

Vielen Dank. Grazie.

Geschlechtergerechtigkeit – Manifest für eine neue Strategie

Gemeinsam Füße.jpgSeit vielen Jahren setzen wir uns für mehr Geschlechtergerechtigkeit ein. Vor uns hatte sich die Generation der Mütter und Schwestern den Weg gewählt, sich selber zu und die gemeinsame Weiblichkeit zu entdecken und aufzuwerten. Sie schufen sich Freiräume, ihre eigenen Welten und Handlungsradien. Sie grenzten sich auch ab von einer Männerwelt, die sie nicht als die ihre empfanden. Diese Frauen haben Großartiges geleistet für uns Nachgeborene. Sie haben den Geschlechterdiskurs aufgeworfen, in Gesellschaften, die davon nichts hören wollte und von einer Veränderung noch sehr viel weniger.

Aufbauend auf diese ersten Vorstöße versuchten wir in einer nachfolgenden Welle, diese Männerwelt zu durchdringen. Mit Quotenregelungen, gesetzlichen Maßnahmen, Ausbau der Unterstützungsmaßnahmen, Coachings und durch kollektive Selbstausbeutung nie dagewesenen Ausmaßes schafften wir es, wichtige Posten in der Männerwelt einzunehmen. Oft sind wir ganz allein oder mit wenigen anderen Frauen in diesen Schlüsselpositionen eines Systems, das wir immer noch nicht als das unsere wahrnehmen. Wir können dort Einiges erreichen. Wir versuchen, von Innen heraus das System zu verbessern. Wir strengen uns an, anderen Frauen den Weg zu ebnen. Mit kleinen Schritten müssen wir uns oft begnügen, meist auf dünnem Eis und immer argwöhnisch beobachtet vom männlichen Establishment, das uns nur unwillig den Platz lässt. Nur in Ausnahmesituationen und meistens, wenn den Herren selber die Ideen ausgegangen sind, werden unsere „spezifisch weiblichen“ Kompetenzen gesucht und gewürdigt. Wir alle könnten Romane schreiben darüber, wie schwer es ist, voran zu kommen, wie ungleich mehr wir uns als Frauen anstrengen müssen, wie oft uns unsere Ideen geraubt werden, wie weh es tut, wenn sich Männer auf unsere Kosten profilieren oder uns lässig vorgehen.

Wir müssen auch anerkennend sagen, dass wir ebenfalls etwas bewegt haben. Heutzutage blicken junge Frauen wesentlich selbstbewusster auf ihre Zukunft und ihren Platz in der Gesellschaft. Viele von ihnen können mit Feminismus nichts anfangen. Junge Väter sind viel eher bereit als es noch ihre eigenen Väter waren, echte Verantwortung für die Kinder zu übernehmen. Sie erleben das oft als großen Gewinn. Daneben zeigen wir Frauen, weiterhin vielfachbelastet, mit Beruf, Familie, Pflege, Ehrenamt, kulturellen und sportlichen Aktivitäten, wie fähig wir sein können.

Die Antwort des Patriarchats auf unsere energischen Reformversuche zeigt, dass die Männermehrheit nicht gerade angetan ist davon. Es überwiegt der Zorn. Er ist in jedem Onlineforum nachzulesen und an jedem Stammtischgespräch nachzuhören. Männer machen es sich leicht. Frauen, Emanzen, Kampffeministinnen dienen als Sündenbock für sämtlichen gesellschaftlichen Veränderungen, mit denen mann nicht umgehen kann oder die er ganz einfach nicht will.

Doch auch wenn es immer anders dargestellt wird: Nicht der Feminismus und seine Ansprüche auf eine Neuverteilung der Macht haben dies ausgelöst. Durch die Frauenbewegung haben wir Frauen uns selbst wahrgenommen. So haben wir den Männern das Andere gezeigt und sie haben sich selbst erkannt. DAS ist es, was sie uns nicht verzeihen können.

Denn sie müssen nun erkennen: Das Patriarchat mit seinem starren Herrschaftssystem hat auch die Männer unglücklich gemacht. Die Beziehungsnetze, die uns urgründlich am Leben verankern, sind weiterhin horizontal von Frauen gespannt. Darüber türmt sich das patriarchale Machtsystem auf, Glanzpositionen für die Starken bietend und unbarmherzig mit den Verlierern. Nicht umsonst ist das Gros der Suizidanten, der Süchtigen, der jung Sterbenden, der Prostitutions- und Pornokonsumenten männlich: Es ist der männliche Verliereranteil des Patriarchats.

Fazit 1: Nicht nur die Frauen sind die Opfer des Patriarchats, sondern auch ein großer Teil der Männer.

Fazit 2: Die Männer beginnen diese Wahrheit zu ahnen. Anstatt aber das Patriarchat selbst in Frage zu stellen, wird die Schuld den Frauen und ihren Emanzipationsbestrebungen zugewiesen.

Fazit 3. Wenn wir das banale Defensivverhalten der Männer analysieren, können wir nicht umhin, hinter der Maske der Arroganz und Misogynie ein zutiefst verunsichertes Geschlecht zu erkennen.

Was nun also tun? Müssen wir uns nun auch noch der Probleme der Männer annehmen? Neben unserer Vielfachbelastung und während uns die Herren in den Führungsetagen auf dem Kopf herum trampeln, uns auch noch um die armen männlichen Verlierer des Patriarchats kümmern?

Nein, dazu werden viele von uns zu Recht nicht bereit sein. Andererseits wollen wir auch nicht, dass der Graben zwischen den Geschlechtern größer und größer wird, dass die Schuldzuweisungen zunehmen und der Feminismus in einem monokausalen Begründungsmodell für die ganze Misere der Männer herhalten muss. Wir riskieren uns totzulaufen und womöglich ziehen wir uns am Ende erschöpft in die Privatsphäre zurück.

Am Schmieden eines Bündnisses mit Männern wird daher kein Weg vorbei führen. Folgende Fragen stellen sich uns unausweichlich: Sollten wir, gerade jetzt, vermehrt auf das Verständnis von Männern für Frauen (und durchaus auch umgekehrt!) setzen? Initiativen wie „he for she“ sind schon auf dem Weg. Sollten wir die Männer dazu bringen, sich selbst aus dem eingefahrenen Kontext zu lösen, sich selbst in aller Ehrlichkeit zu erkennen, damit sie auch uns erkennen? Können wir das partnerschaftliche Prinzip der Co-Verantwortung für die Welt stärken, indem wir es attraktiv für beide Geschlechter machen? Ausgehen können wir vielleicht von jenen Männern, die aus Liebe (wie ungewohnt, dieses Wort in so einem Text, ich schreibe es nur mit Mühe!) für ihre Partnerinnen oder aus ganz anderen Gründen und mit anderen Zielsetzungen bereit sind, das gewohnte Script zu verlassen und neue Wege zu gehen.

Es ist dies kein Ersatz für die Strategie, die wir bisher gefahren haben, sondern ein Zusatzprogramm. Es braucht weiterhin unseren Einsatz für die Quote, für gerechten Lohn, für die Aufteilung der Familienarbeit, für die Anerkennung des Frauenbildes in der Gesellschaft. Daneben können wir den derzeitigen Moment der Krise (der wirtschaftlichen Krise und der männlichen Identitätskrise) für Veränderung nutzen. Greifen wir jedes männliche Zweifeln, jede noch so winzige Äußerung von Skepsis gegenüber dem überlieferten Modell auf, um neue Denkprozesse zu implementieren! Setzen wir Botschafter ein, die den anderen Männern, mit männlichen Argumentationslinien und männlichen Kommunikationsstrategien, die Problematik erklären (ich glaube, es braucht regelrechte Aufklärung, wenn nicht Alphabetisierung, da bisher allgemein die Schotten dicht gemacht wurden und es kaum Männer gibt, die überhaupt VERSTEHEN, worum es uns geht)!

Das Zauberwort könnte „Solidarität“ heißen und damit könnten wir gerade auch sozialpolitisch engagierte oder christlich empfindende Männer für unser Anliegen gewinnen.

Allerdings, Achtung! Es ist ein wenig wie beim Abgeben der Erziehungs- und Hausarbeit: Dies heißt auch Kontrolle abzugeben. Dazu müssen wir bereit sein. Und wir müssen aushalten, wenn die Männer wieder jene sind, die im Mittelpunkt stehen, die den Diskurs an sich reißen, die das Lob abbekommen. Ja, wir werden sogar bereit sein müssen, dieses Lob immer wieder auszusprechen, zu bestärken, zu unterstützen (während wir dann wieder die sind, die das alles NICHT bekommen…).

Wenn am Ende aber ein gemeinsamer Diskurs steht, den wir als gesellschaftliche Strömung und nicht nur als Frauen mittragen, dann haben wir mehr gewonnen als wir vielleicht an Deutungshochheit verlieren. Zugleich entsteht vielleicht auch endlich unter den Männern die Einsicht, dass sie nicht nur Machtpositionen freigeben müssen, sondern tatsächlich selbst ein Stück weit aus der Einseitigkeit und Einfältigkeit und Einsamkeit des männlichen „Standard-Seins“ herausfinden.

Somit würde die Befreiung der Frauen vom patriarchalen Dominat endlich auch eine Befreiung der Männer. Und eine neue Gesellschaftsordnung würde zumindest denkbar(er) werden.

Heimat (in 670 Zeichen)

Mathilde_primavera    Heimat

Daheim sein hat für mich viel mit “kennen” zu tun. daheim bin ich dort, wo ich mich aus-kenne, wo ich die Menschen, die Dinge, die Orte, die Sprache, die Gepflogenheiten kenne, wo ich er-kannt werde. Da ich sehr neugierig bin, lerne ich auch anderswo sehr schnell all das kennen und fühle mich daher immer schnell überall daheim. Vielleicht, weil ich mich selber gut kenne und daher meine innere Heimat überallhin mitnehme.

Ein spezielles Gefühl von Heimat spüre ich an zwei Orten: Wenn ich nach Hause komme, und den Geruch meiner Familie rieche. Und wenn ich über den Bozner Radweg flitze. Das sind die Augenblicke, wo ich genau weiß: Hier wohnt mein Herz.

Private Rechtssubjekte

unfruchtbares feldLetzte Woche wurde im Gesetzgebungsausschuss der Gesetzentwurf  mit dem handlichen Titel „Regelung des Verwaltungsverfahrens und des Rechts auf Zugang zu den Verwaltungsunterlagen sowie Bestimmungen im Sachbereich der Publizität, der Transparenz, der digitalen Verwaltung, der Verwaltungsdokumente, der Veröffentlichung von Verwaltungs- und normativen Akten sowie zur Einrichtung des Schalters für die Beziehungen zur Öffentlichkeit (Allgemeines Verwaltungsgesetz)“ genehmigt.

Das Gesetz ist eine Anpassung an staatliche Vorgaben und soll einige Verbesserungen für die BürgerInnen im Zugang zur öffentlichen Verwaltung bieten.

Neben Fristen und Abläufen, neu eingeführtem Bürgerschalter (gut!) und Regelung des Interessenskonfliktes (ebenfalls gut, wenn auch mit Einschränkung für Kleingemeinden), Organisationseinheiten und Ersatzbefugnissen, Transparenz und Sachverhaltsermittlungen drehte sich die zähe, titelgerecht sperrige Debatte zu Recht um die Sprache. Mit einer guten Dosis Arroganz versteifte sich die Mehrheit darauf, einen letztlich großteils unverständlichen Text abzusegnen und dilettantische Unlesbarkeit als juristische Fachsprache auszugeben.

Da wurde ganz schön gelehrmeistert. So wies ich etwa darauf hin, dass Rechte wie “Die Einleitung des Verfahrens wird allen Personen mitgeteilt, gegenüber denen die abschließende Maßnahme direkte Wirkungen erzeugt und allen, die kraft Gesetzes beitreten müssen. Die Eröffnung des Verfahrens wird weiters jenen bestimmten oder leicht bestimmbaren Personen mitgeteilt, denen aus der abschließenden Maßnahme ein Nachteil erwachsen kann.“ von den gemeinten Personen wohl kaum wahrgenommen werden könnten, weil sie vielleicht gar nicht wissen, dass sie “bestimmt oder bestimmbar” sind. Sonnenklar sei das, hieß es. Man müsse halt wissen, dass es eine Fachsprache gebe, von der man nicht abgehen könne.

Dabei gibt es nichts Veränderlicheres und Veränderbares als die Sprache. Und Verwaltung wird erst “offen”, wenn sie auch in einer Sprache spricht und schreibt, die alle verstehen (Übrigens war das einer der Grundsätze im Amt für Weiterbildung, in dem ich 10 Jahre lang gearbeitet habe und das diesbezüglilch immer schon besonders sensibel war). Beginnend bei den Gesetzestexten. Dass sich Präzision und Verständlichkeit nicht ausschließen, sondern nur eine geistige Öffnung und Bereitschaft zur Arbeit an Sprache benötigen, wurde als Argument vom Tisch gefegt.

Entsprechend war es auch nicht möglich, die von öffentlichen Verwaltungsakten Betroffenen als „Nutzerinnen und Nutzer“ oder „Nutzende“ zu bezeichnen, anstelle sie mit der im Text gängigen Benennung „private Rechtssubjekte“ (!) zu apostrophieren.

Auch der Vorschlag, die Grundsätze des Gesetzes in eine allgemein verständliche Sprache im Sinne der Nutzerfreundlichkeit (pardon: der Freundlichkeit gegenüber privaten Rechtssubjekten!) zu übertragen, erhielt nur eine einzige Stimme: meine eigene.

Die oft gehörten Bekenntnisse zu Demut und Bürgernähe sind verhallt, verblasst die Versprechen der Erneuerung.

Politik erweist sich wieder einmal als tragisch innovationsresistentes Feld, bürokratisch überdüngt und vom alten Geist der Machtmonotonie durchzogen. Manchmal habe ich Sehnsucht nach den fruchtbaren und kreativen Stätten, die ich vom Leben vor der Politik kannte und in denen Neues definitiv mehr Raum fand.