“Was ist Integration und wie viel verträgt Südtirol?”

Zivilcourage Magnani

… war die Frage eines Journalisten an diesem Julibeginn 2018, in dem Italien die Häfen schließt und Deutschland Flüchtende zurückweist. So habe ich geantwortet:

Integration (eingrenzend auf das Migrationsphänomen, denn man spricht ja auch im Hinblick auf Menschen mit Beeinträchtigung oder andere Gruppen mit spezifischen Lebenssituationen oder Bedürfnissen von Integration) würde ich definieren als wechselseitigen Prozess, in dem eine Gesellschaft MigrantInnen eingliedert bzw MigrantInnen aktiv für diese Eingliederung arbeiten.

Integration wird leider durch ideologische Verzerrungen politisiert, dabei ist ein pragmatischer Ansatz das einzig wirksame Mittel, um die entstehenden Probleme zu lösen und auch die Potenziale zu nutzen.

Die Diskussion darüber, ob und wie viel Integration geleistet werden soll, bremst den Integrationsprozess, in der fälschlichen Meinung, dass man Migration damit aufhalten könne. Es ist ein wenig wie die Bewegung für das Leben, die meint, wenn man nicht über Sex reden und aufklären würde, dann gäbe es keinen vorehelichen Geschlechtsverkehr.

Daher finde ich auch die Diskussion über das “Wie viel” ziemlich verfälschend, denn es geht um das “Wie”, darin sollten wir unsere Energien und Ressourcen investieren. Im Übrigen bewegen wir uns in Südtirol, was Menschen auf der Flucht betrifft, gerade einmal im 0,3%-Bereich.

Für eine Gesellschaft mit unserem BIP und unserem Wertehintergrund dürfte das leistbar sein.

Mir macht die Diskussion um die “Aufnahmefähigkeit” Angst. Schon einmal hat man in Europa genau darüber diskutiert – und am Ende stand dann der “Schutz des gesunden Volkskörpers”.

PS. Man hat mir geraten, im Wahlkampf zum Thema Migration und Flucht nicht Stellung zu nehmen. Clevere Kollegen machen dies auch so. ich habe beschlossen, dass ich diesem Rat nicht folgen werde. Es wäre das Schlimmste sich einmal sagen zu müssen, schau, damals, als es die Stimme zu erheben galt, hast du geschwiegen.

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